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knowledge base

 
kleines tutorium 1:
tips für das geisteswissenschaftliche studium

 

 

inhalt

 

allgemeine anmerkungen zum studium

(speziell für Historiker und Geisteswissenschaftler)

Jetzt seid Ihr also im ersten oder zweiten Semester an der Uni und wißt natürlich bislang nur wenig über Studienplanung und andere wirklich wichtige Dinge des Studentenalltages. Ich denke, daß ich wohl zunächst nicht mehr erwähnen muß, wie wichtig inzwischen der Besitz eines Computers, grundlegende EDV-Kenntnisse und ein Internet-Zugang mitsamt eMail geworden sind. Sollte es in dieser Hinsicht also noch bei dem einen oder anderen nicht so gut aussehen, würde ich dringend dazu raten, diesen Mangel schnell zu beheben. Gute Computerbücher und -hilfen gibt es z.B. sehr günstig beim RRZN, dem Regionalen Rechenzentrum Niedersachen in der Nähe des Conti-Gebäudes, und ein Rechner bzw. ein Onlinezugang ist heute eigentlich für jeden erschwinglich und auch an der Universität direkt zugänglich.


zukunftsplanung

Leider muß ich jetzt erst einmal etwas anmerken, was zwar sehr wichtig ist, aber bei vielen lange Zeit recht sträflich behandelt wird: die Zukunftsplanung. Das geisteswissenschaftliche Studium ist meistens ein Studium aus Leidenschaft, vielseitigem Interesse oder bei einigen - aber das sollte man jetzt mal schnell wieder vergessen - aus Bequemlichkeit. Das soll heißen, daß sich die wenigsten Studenten, besonders im Studiengang Magister, darüber klar sind, was sie eigentlich mal mit ihrem Abschluß machen wollen oder welche Berufschancen sich bieten. Die Lehrämtler wollen zwar alle gerne Lehrer werden, verkennen aber häufig die ebenfalls möglichen Probleme bei der Suche nach einem geeigneten Referendariatsplatz (im 1. Semester sieht das alles noch ganz locker aus). Wie angedeutet, wird das geisteswissenschaftliche Studium nur selten als das Mittel zum Zweck, als das Sprungbrett zu einer Karriere im "Big Business" gesehen.

Um Euch also mal die üblichen Illusionen gleich zu Beginn Eures Studiums zu rauben: Alle wollen a) Lehrer, b) Journalisten oder c) Akademiker werden, denn nur wenige finden es nun mal wirklich ergreifend, in einer Bibliothek oder in einem Archiv den Rest ihres Lebens zu verbringen. Zum Lehrer sei gesagt, daß Ihr auch mit einem sehr guten Abschluß zum Referendariat nicht unbedingt dahin kommen werdet, wohin Ihr schon immer wolltet. Also kann Euch theoretisch auch die Dorfgesamtschule Klein-Öppelde in Lychow-Dannenberg blühen, wo Ihr dann 1 1/2 Jahre eine tolle Zeit haben werdet - und der sichere Posten danach ist auch nicht garantiert. Journalisten finden alle immer ganz aufregend, und natürlich haben Heribert Prantl oder Josef Joffe wohl ein spannendes Leben, aber der Berufszweig ist inzwischen derart überlaufen, daß Ihr schon viele Praktika machen oder Beziehungen haben solltet, um irgendwo unterzukommen, und sei es auch nur im Landkreisteil der Neuen Presse. Außerdem gibt es inzwischen derart viele freiberufliche Schreiberlinge, die ihre Dienste zu immer geringeren Konditionen anbieten, daß eine erfüllende Zukunft in diesem Berufsfeld mit viel Skepsis zu betrachten ist. Und, last but not least, die akademische Laufbahn in Deutschland: Jahre der Zeitverträge zu Hungerlöhnen, der Professorenabhängigkeiten und einer ungewissen Zukunft mitsamt einhergehender Ängste, mit vielleicht 39 Jahren habilitiert und arbeitslos zu sein, da niemand Professoren oder zumindest Euch braucht. Das ist wahrlich nicht sehr lustig, und finanziell werdet Ihr in dieser Zeit auch nicht gerade die sein, die sich den neuen BMW aus der Portokasse leisten können.

Aber versteht das jetzt keinesfalls falsch, denn alle diese Laufbahnen sind natürlich möglich, aber nur für einen Bruchteil von Euch. Der Rest muß also sehen, was er mal machen will. Und das ist auch gar nicht so schlecht, denn das geisteswissenschaftliche Studium vermittelt Euch Inhalte, die andere Studiengänge nicht mal peripher behandeln. Dieses Studium lehrt Euch, Thematiken eigenständig zu bearbeiten, Probleme zu erkennen und in Breite sowie Tiefe zu denken, mit Menschen umzugehen, Vorträge zu halten und eine bestenfalls sehr gute Allgemeinbildung zu bekommen. Und vor allem: Flexibilität. Ihr werdet Geisteswissenschaftler in den Personalvorständen von Banken genauso finden wie in Investmentfirmen, bei Onlineprovidern, bei Verbänden, in Agenturen, Medien oder Unternehmensberatungen. Außerdem bieten so einige neue Berufe, wie z.B. der Informationsarchitekt, gute Chancen auf eine Anstellung, wenn Ihr die Rahmenbedingungen erfüllt. Ihr seht, daß Euch ein breites Berufsfeld zur Verfügung steht und das Studium also alles andere als umsonst ist - im Gegenteil. Aber Ihr müßt Euch frühzeitig Gedanken über Eure Berufsvorstellungen machen und dann konsequent darauf hinarbeiten, mit Praktika, Berufsbörsen, freien Seminaren (z.B. Challenge) und Beratungen und Informationen aller Art. Leider wird es in der Berufswelt immer härter, nimmt der Konkurrenzdruck immer mehr zu, aber statt sich dem zu verschließen, solltet Ihr Euch früh darauf vorbereiten und Euren Weg dann auch gehen. Gebt Euch auch nicht der Illusion hin, mit einem sehr guten Examen stünden Euch alle Tore automatisch offen, denn wo niemand gebraucht wird, sind auch die besten Noten nutzlos. Wenn man erst einmal miterlebt, wie einige Bekannte mit 1.0-Examen und vorheriger, fachbezogener Ausbildung in einjährigen Arbeitsamtsfortbildungen stecken, da einfach kein Archiv etc. Historiker braucht, wird man schnell ernüchtert. Verbindet also ein gutes Examen mit einer sinnvollen, flexiblen Berufsplanung in verschiedenen Bereichen.


studienplanung

Besorgt Euch zunächst rechtzeitig im Sekretariat Eure jeweiligen Prüfungsordnungen, macht Euch mit diesen gut vertraut und richtet Eure Studien- und Scheinplanung danach ein. Das ist gerade in der derzeitigen Vielfalt und Verwirrung mit den neuen Studienabschlüssen Bachelor und Master sehr wichtig! So spart Ihr Euch unter Umständen viel Ärger, Zeit und unangenehme Überraschungen in höheren Semestern aufgrund eines schlechten Zeitmanagements. Und falls Ihr mal nicht genau wissen solltet, was wo wie gemeint ist, fragt einfach den zuständigen Beauftragten oder auch ohne Hemmungen irgendeinen Dozenten, erfahrenen Studenten, Sekretärin etc., der/die Euch zumindest sagen können wird, wo Ihr die gesuchte Aufklärung bekommen könnt. (Einge Sekretärinnen sind sowieso die wandelnden Wissensspeicher in diesen Fragen!) Wenn Ihr dann alle Anforderungen kennt, plant Euer Studium bis ins Detail durch und haltet Euch die ganze Zeit penibel an diesen Plan. Denkt daran, daß sich verlorene Semester immer irgendwann rächen werden, und die Geisteswissenschaftsfächer stellen nun nicht gerade streßbereitende Anforderungen. Überlegt Euch also, wieviele Semester Euer maximales Limit sein sollen und was ihr wann machen werdet. Laßt in der Planung das erste Semester als intensives Schnüffel- und Kennenlernsemester raus und verteilt die Aufgaben auf die anderen. Schließt in Eure Planungen auch folgendes unbedingt mit ein: Freiwillige Praktika, Sprachkurse und evtl. ein Auslandssemester.

Der Grund, warum Ihr im ersten Semester nur schnüffeln solltet, liegt auf der Hand: Zum einen ist man noch viel zu unsicher und unroutiniert, um sich gleich "professionell" in den Betrieb zu werfen, und kann die Zeit nutzen, sich erst einmal in Ruhe zu akklimatisieren. Und zum anderen sollte man möglichst viele Veranstaltungen - und ich meine jetzt wirklich möglichst viele (ca. 10-14, später sind es dann eher 5-7 pro Semester) - verschiedenster Art besuchen, also Vorlesungen, Seminare, Colloquien etc., um nicht nur einen Eindruck zu bekommen, wie diese aufgebaut sind, sondern vor allem, um sich die einzelnen Dozenten anzuschauen und abzuwägen, zu wem man einen Draht hat und wer einen nun weniger anspricht. Kein Thema der Welt ist so spannend, daß es nicht durch einem langweiligen Dozenten zur Tortur wird, kein Thema der Welt ist so langweilig, daß nicht ein feuriger Dozent ihm jede Menge Leben einhauchen kann. (Und macht Euch einfach nicht die Mühe, in einem langweiligen Seminar zu bleiben - Ihr klemmt es dann ohnehin nach 4-8 Wochen ab.) Ihr werdet Euch dann schnell Eure Lieblingsdozenten herausfischen, und bei diesen solltet Ihr Euch auch häuslich einrichten, denn wenn man sich später prüfen läßt, ist es immer gut, wenn einen der Dozent gut kennt und bestenfalls sogar mag. (Achtung: Manchmal ist das aber auch gar nicht so gut, weil dessen Ansprüche dann höher sein können.) Außerdem muß und sollte man sich in Teilgebieten seines Bereiches spezialisieren, und da hilft ein guter Dozent ungemein, indem er dieses Gebiet interessant zu vermitteln versteht. (Wichtig: Besucht diesbezüglich auf alle Fälle irgendwann einmal ein Oberseminar!) Und was man nicht vergessen sollte: Wenn der Dozent einen gut kennt, steigen im beachtlichen Maße die Chancen auf HiWi-Stellen, Praktikumsempfehlungen, Stipendien und sonstige Geldregen, die einen vom Kneipenthekenjob befreien!


sprachen

Um Sprachkurse kommt Ihr nicht herum. Für Historiker Pflicht ist auf jeden Fall Englisch, mindestens das kleine Latinum und - je nach Epoche und Interessengebiet - Kenntnisse in Altgriechisch, Französisch, Italienisch oder Russisch etc. Ein Historiker, der nicht mal in Grundzügen Latein beherrscht, macht sich ziemlich lächerlich - denkt an Eure spätere Konkurrenz aus anderen Unis! -, und wer sich auf die Renaissance ohne Italienischkenntnisse spezialisiert, wird wohl auch wenig Chancen auf vertiefende Erkenntnisse haben. Informiert Euch deshalb rechtzeitig bei Euren Dozenten über für Eure Spezialgebiete wichtige Sprachen (z.B. Antike: Latein/Altgriechisch) und plant das Erlernen dieser gut ein. Und noch einmal speziell für Historiker: Lernt auf alle Fälle Latein, falls ihr es noch nicht könnt. Ihr verbaut Euch sonst zwei der i.d.R. vier historischen Teilbereiche (nämlich Antike und Mittelalter) und könnt nicht in diesen geprüft werden. Nebenbei sei dazu angemerkt, daß von Studenten des höheren Lehramtes in Hannover die Interpretation einer lateinischen Quelle erwartet wird. Also: Spreken andere Sprak is gutt und tutt noht!


praktika

Genauso werden Praktika im Lebenslauf hoch bewertet oder zumindest wohlwollend zur Kenntnis genommen - je mehr und vielseitiger, desto besser. Dabei müssen die Praktika - bis auf eines - nicht einmal nur mit Euren Studienbereichen zu tun haben; Ihr könnt ja machen, wozu Ihr Lust habt. Außerdem erleichtern Praktika die spätere Berufswahl, denn vielleicht stellt sich der erträumte Werbeinformationsjob ja doch nicht gerade als der persönliche Hit heraus. Wenn Ihr ein Praktikum macht, denkt stets daran, daß Ihr dort seid, um etwas zu lernen! Solltet Ihr also fast ausschließlich als Aushilfskopierhiwis, Putzkräfte oder Kaffekocher eingesetzt werden, ist das verlorene Zeit und keinen Cent wert. Ergo: Sofort damit aufhören!


auslandssemester

Auslandssemester oder Au-Pair-Zeiten sind natürlich für Sprachstudenten verpflichtend und generell eine gute Möglichkeit, mal das Alltagsleben und die sozialen Mentalitäten anderer Völker kennenzulernen. Erkundigt Euch mal über das ERASMUS-Programm oder schaut mal bei Unicum oder Au-Pair vorbei. Laßt Euch im Falle eines Auslandssemesters in jedem Falle von der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) die Broschüre "Studium, Forschung, Lehre im Ausland. Förderungsmöglichkeiten für Deutsche." zukommen (kostenlos bei den Auslandsämtern der Hochschulen). Ihr könnt Euch dort außerdem beraten lassen und Euch auch für Stipendien bewerben. Darüber hinaus solltet Ihr Euch natürlich erkundigen, ob das Auslandssemester mitsamt Prüfungen auch an der Heimatuni anerkannt wird.


exkursionen

Vergeßt auch nicht, daß ihr am Ende eures Studiums eine bestimmte Anzahl an Exkursionstagen und ein berufspraktisches Seminar vorweisen müßt. Exkursionen sind dabei so eine Sache, denn sie können ein Erlebnis oder der totale Reinfall sein. Ich empfehle Euch, auf jeden Fall eine mindestens einwöchige Exkursion mitzumachen, denn nur auf einer solchen kann man mal das selten erlebte Hochmotivationsgefühl echten thematisch eingegrenzten Arbeitens in einer Gruppe Gleichgesinnter kennenlernen. Daß Ihr natürlich nur mit einem Professor, den Ihr mögt, auf Exkursion fahren solltet, ist ja wohl klar. Ansonsten könnt Ihr selbstverständlich auch mehrere Tagesexkursionen mitmachen, wenn Euch das zeitlich, finanziell oder thematisch mehr zusagen sollte.


beispiel einer durchdachten studienplanung

Anforderungen:
Grundstudium (zus. 7 Scheine)
Hauptstudium (zus. 7 Scheine, Latinum, 3 Exkursionstage, Berufspr. Seminar, 4 Wochen Praktikum)
Ansonsten (freiwillig): Auslandssemester, Französischgrundlagen, 3 Praktika à 4 Wochen

- Grundstudium -
1. Semester: Schnüffeln (1. freiwilliges Praktikum: Werbeagentur)
2. Semester: 2 Scheine (2. freiwilliges Praktikum: NDR)
3. Semester: 3 Scheine (Latein-Grundlagenkurs)
4. Semester: 2 Scheine (Latein-Lektürekurs, Zwischenprüfungen)
- Hauptstudium -
5. Semester: 2 Scheine (Latein-Lektürekurs, Latinumsprüfung)
6. Semester: 3 Scheine (Französischkurs, 3. freiwilliges Praktikum: Fachverband DIHT)
7. Semester: 2 Scheine (Berufsprakt. Seminar, Studienpraktikum, Franz.-Aufbaukurs)
8. Semester: Examensvorarbeiten und Anmeldung zum Examen
9. Semester: Examensarbeit
10. Semester: Examensprüfungen
(Wenn sich etwas Interessantes anbietet: Exkursion)

Beachte: Ein Auslandssemster verschiebt das alles noch um ein Semester.
Wenn Ihr Euch nach so einem Plan richtet, kann gar nichts mehr schiefgehen.



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