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inhalt
1.
die karriere sullas bis zum jahre 88
sullas jugendzeit
L.
Cornelius Sulla wurde im Jahre 138 v.Chr. als Sproß einer verarmten
Familie des Hochadels geboren. Er genoß eine seinem Stande angemessene
Erziehung und eignete sich aufgrund seiner großen Begabung einen
hohen Grad von Bildung an. Dennoch erbte er von seinem Vater lediglich
ein sehr geringes Vermögen, so daß er zu einem bescheidenen
Preis zur Miete wohnen mußte. In seiner Jugend führte er ein
verhältnismäßig anstössiges und genußsüchtiges
Leben mit teilweise wüsten Zechgelagen, meist in Gesellschaft von
Schauspielern, Dirnen und anderen Personen zweifelhafter Herkunft. Trotzdem
besaß er ein lebhaftes Bewußtsein von der Würde und den
Ansprüchen seines Standes und entwickelte mit zunehmenden Alter eine
tief optimatische Grundeinstellung. Durch sein auffallend schönes
Äußeres von der Gunst der Weiblichkeit stets umschmeichelt, verstand
er es, sich unter anderem der Liebe der begüterten Dirne Nicopolis
zu versichern, die ihn bei ihrem Tode zum Erben einsetzte. Eine weitere
Erbschaft von seiner Stiefmutter ermöglichte es Sulla wahrscheinlich,
sich um Staatswürden zu bewerben.
sulla im dienste des marius
In der Erwartung großen Ruhmes ließ sich Sulla, ohne je gedient
zu haben, 107 zum Quästor wählen und wurde durch das Los dem
damaligen Konsul C. Marius zugeteilt, der die römischen Truppen im
Feldzug gegen Iugurtha befehligte. Schnell stellte sich heraus, daß
der unerfahrene, junge Quästor wider Erwarten einen ausgezeichneten,
kraftvollen und mutigen Soldaten abgab und bei den Truppen wie auch bei
Marius wegen seiner Umgänglichkeit und Tüchtigkeit sehr beliebt
wurde. Als Führer der Reiterei entschied er durch seine Geistesgegenwart
die Schlacht bei Cirta. Kurz darauf knüpfte er in verschiedenen Unterhandlungen
im Auftrage des Marius enge Bünde mit dem mauretanischen König
Bocchus, dem Schwiegervater Iugurthas. Hierbei trat bereits Sullas Geschick
für eine verwobene, teilweise "gerissene" Politikführung
hervor, denn er bewirkte einen Verrat Bocchus´ am listenreichen Iugurtha
zum Preis des Friedens mit Rom. Es gelang Sulla 105 mit Hilfe von Bocchus,
Iugurtha in einen Hinterhalt zu locken, gefangenzunehmen und Marius zu
übergeben.
Wieder zurück in Rom zeigte sich Sulla, der sich in Afrika neben
dem Ruhm ein beträchtliches Vermögen angeeignet hatte, nicht
geneigt, mit beidem entsprechend bescheiden nur zu glänzen. Sein
eitles, großspuriges Auftreten und die wohlwollende Anerkennung
seiner Taten durch seine Standesgenossen ließ bald vergessen, daß
er in Afrika im Auftrage des Marius gehandelt hatte. Sulla selbst benutzte
ständig einen Siegelring mit einer Darstellung der Auslieferung des
Iugurtha. Nachdem später auch König Bocchus Sulla durch mehrere
goldene Bildsäulen auf dem Kapitol mit der Beschreibung der Gefangennahme
Iugurthas ehrte, wurde das Verhältnis Sullas zu Marius nachhaltig
getrübt.
Im Kimbernkrieg 104-101 diente Sulla zunächst als Legat (104), dann
als Kriegstribun (103) unter Marius, 102 ließ er sich jedoch in
das Heer von Q. Lutatius Catulus, des Kollegen des Marius, versetzen und
verblieb dort bis zum Ende des Krieges. Auch bei diesem Feldzug erwies
sich Sulla, zumindest unter Marius, als geschickter militärischer
und politischer Taktierer und Befehlshaber (nennenswert ist beispielsweise
ein Bündnis mit dem mächtigen Stamm der Marsen). Plutarch vermutet
glaubhaft, daß Sulla letztlich in das Heer des Catulus versetzt
wurde, um diesem in der Kriegsführung nicht an einen Marius heranreichenden
Feldherrn zur Seite zu stehen und den eigentlichen Befehl über die
Legionen zu übernehmen. Deshalb war Sulla wohl auch an verschiedenen
Fehlschlägen dieses Heeresabschnittes, die von Marius wieder ausgeglichen
werden mußten, nicht ganz schuldlos. Das hatte zur Folge, daß
Sulla seinen guten Ruf, sein Ansehen und seinen Einfluß aus dem
iugurthinischen Krieg nicht vermehrt oder gar geschädigt sah und
in der nächsten Zeit wenig beachtet in Rom lebte.
sullas prätur und sein wirken im
bundesgenossenkrieg
Sulla stellte sich erst im Jahre 95 wieder zur Wahl für das Amt eines
Prätors im kommenden Jahr. Er fiel jedoch durch und versuchte es
94 für das Jahr 93 noch einmal. Dabei scheint er das Wahlergebnis
aber in Form umfangreicher - und während seiner Prätur deutlich
gerügter - Stimmenkäufe zu seinen Gunsten manipuliert zu haben,
so daß ihm die Wahl gelang. Beeindruckende Spiele zeichneten Sullas
sonst ereignisloses Amtsjahr aus.
Als Proprätor wurde Sulla 92 mit dem Auftrag nach Kilikien ausgesandt,
in Kappadokien gegen Mithridates einzuschreiten, der dort nach einem Staatsstreich
seinen Vertrauten Gordius als Statthalter eingesetzt hatte. Dieser sollte
vertrieben und durch den romfreundlichen, angesehenen Kappadokier Ariobarzanes
als König ersetzt werden. Die Erfüllung dieser Aufgabe führte
Sulla bis an den Euphrat, wo er die ersten Kontakte Roms mit den um Freundschaft
bittenden Parthern herstellte und dabei bewußt den parthischen König
durch die Herabsetzung seines Gesandten demütigte. Die ihm im Osten
wiederfahrenden Schmeichelungen und seine Erfolge wirkten stark auf Sullas
Anschauungen und sein Ego, das er fürderhin noch überheblicher
zu entfalten pflegte.
Doch diese Verdienste zerrannen nach Sullas Rückkehr wie feiner Sand
in seinen Fingern, denn der Hauptgegner Mithridates war nicht geschlagen,
vielmehr trat er aus seiner Zurückhaltung heraus und stellte die
alten Verhältnisse in Kappadokien wieder her. Schlimmer noch, Sulla
verscherzte durch sein hochmütiges Verhalten ein Bündnis mit
den mächtigen Parthern gegen den gefährlichen Feind Mithridates.
Zusätzlich zog er sich eine öffentliche Anklage wegen Erpressungen
in dem bundesgenössischen Kappadokien zu. Schon in Afrika bewies
Sulla, anders als Marius, seine Unredlichkeit gegenüber Bundesgenossen.
Durch Erpressungen und unerlaubte Einnahmen ließ Sulla die Bündner
zu seinem eigenen Vorteil bluten und mußte sich wiederholt schwere
Vorwürfe gefallen lassen. Es kam jedoch nicht zu einer Untersuchung,
da der Kläger, C. Censorinus, seinen Antrag auf eine gerichtliche
Verfolgung Sullas zurückzog (dessen ungeachtet ist er unter Sullas
Gewaltherrschaft umgekommen).
Wie schon erwähnt, mußte die oben beschriebene Säulengruppe
des Bocchus zwangsläufig zu einem größeren Konflikt zwischen
Sulla und Marius führen, denn sie erweckte den Schein, daß
Sulla die allein handelnde Person war und nicht dem Kommando des Konsuls
Marius unterstanden hatte. Der Austrag dieses Streites mußte jedoch
verschoben werden, als die hinterhältige Ermordung des großen
Volkstribunen M. Livius Drusus (91) die darob aufgebrachten italischen
Bundesgenossen zu den Waffen greifen und gegen das undankbare Rom ziehen
ließ. Livius Drusus hatte sich wesentlich für eine politische
Gleichberechtigung der immer mehr in einem Knechtschaftsverhältnis
stehenden italischen Bundesgenossen eingesetzt und damit bei vielen Italikern
große Hoffnungen und Loyalität erzeugt. Aufgrund der ungeheuren
Gefahr, die der Stadt nun drohte, stellte sich Sulla, wie auch Marius,
beim Ausbruch des marsischen Krieges dem Senat zur Verfügung. Als
Legat wurde Sulla im Jahre 90 dem Südheer unter dem Konsul L. Iulius
Caesar zugeteilt, 89 focht er unter dem Konsul L. Porcius Cato, der im
Kampf mit den Marsen fiel. Das erste Kriegsjahr bedachte Sulla, im Gegensatz
zu seinem Konkurrenten Marius im Nordheer gegen die Marser, mit keinerlei
nennenswerten Erfolgen. Erst im zweiten Jahr gelang es Sulla, die in Kampanien
eingedrungenen Samniten durch eine Reihe von Gefechten zu schwächen
und schließlich bei Nola in einem grausamen Blutbad vernichtend
zu schlagen. Die lange vergangenen Zeiten der Samnitenkriege (343-290)
und der Ruhmestaten der Ahnen Sullas, die sich in diesen Kriegen als bedeutende
Heerführer hervortaten und einen großen Anteil am Ende des
3. Samniterkrieges 290 hatten, schienen wiederzukehren. Es verwundert
daher auch nicht, daß Sulla die ihm von seinem Heer verliehene,
traditionenbehaftete Ehrung, den Graskranz (corona graminca) für
die "Rettung aus der Samnitennot", zutiefst genoß. Die
Eroberung des Samnitenlagers bildete, ebenso wie die Ergreifung Iugurthas,
einen Höhepunkt in Sullas Leben. Nach seinem Sieg zog Sulla, teilweise
unerbittlich gegen abgefallene Städte wütend, weiter in das
Herz der samnitischen Landschaft und unterwarf die Hauptstadt der Samniten,
Bojano. Die Samnitengefahr war vorerst gebannt, obwohl diese nach wie
vor im Widerstand verharrten und der Krieg noch keineswegs entschieden
war. Mit Nahen des Winters verließ Sulla schließlich sein
siegreiches und von ihm mit großem Geschick geführtes Heer,
um in Rom den Lohn für seine Verdienste zu erhalten.
2. das jahr 88
sullas wahl zum konsul und der konflikt
mit p. sulpicius rufus
Sulla gelang es als erstem Mitglied seines Adelshauses seit 277, das Konsulat
zu bekleiden. Nach seinen Erfolgen im Bundesgenossenkrieg hielt er die
Gelegenheit für günstig, sich für das Jahr 88 zum Konsulat
zu bewerben. Neben dem ebenfalls aristokratischen Q. Pompeius Rufus, dem
Vater seines Schwiegersohnes, wurde er mit 50 Jahren fast einstimmig zum
Konsul gewählt. Zur höchsten Würde im Staat gelangt, änderte
er auch sein privates Leben, indem er sich von seiner dritten Frau Cloelia
scheiden ließ und eine Verbindung mit der Nichte des berühmten
Q. Caecilius Metellus Numidicus (cos. 109) einging, ein erklärter
Todfeind des Marius. Diese Heirat führte Sulla in die engeren Kreise
der führenden Adelsfamilien ein. Eine weitere große Verlockung
für Sullas Ruhmsucht stellte darüber hinaus der unvermeidlich
Feldzug gegen Mithridates im Frühjahr 88 dar, der unter dem Befehl
eines der Konsuln stattfinden mußte. Ein Losentscheid versah Sulla
mit dieser Aufgabe, während seinem Kollegen Rufus Italien als Provinz
zufiel.
Jedoch bedurfte Rom im Angesicht dieses gewaltigen Feindes der vereinigten
Kräfte der italischen Bundesgenossen, mit denen bisher aber noch
kein vollständiges Friedensverhältnis wiederhergestellt war.
Für Rom stellte sich nun das Problem, nach dem Beweis seiner überragenden
Staats- und Kriegskunst gegenüber den Italikern diesen bei ihren
alten Forderungen nach Gleichberechtigung entgegenzukommen. In richtiger
Einschätzung der Lage ließ sich deshalb der junge Patrizier
P. Sulpicius Rufus für das Jahr 88 zum Volkstribunen wählen.
Als solcher beantragte er das volle Bürgerrecht für die Italiker
und für die Freigelassenen, die gegen diese gedient hatten. Nun lag
das entscheidende Wort beim Konsul Sulla, der bisher in politischen Ämtern
keine nennenswerten Tätigkeiten verzeichnen konnte und in diesem
Fall staatsmännisches Denken vermissen ließ. Durchdrungen von
traditionell aristokratischen Werten, unterschätzte er die Gefahr
im Osten und sah als ärgsten Feind nach wie vor die Samniten und
das selbstbewußte italische Bauerntum. Er war daher fest entschlossen,
den Widerstand gegen ein Einigung Roms mit den Bundesgenossen aufrechtzuerhalten.
Entsprechend brauchten Sulla und sein Kollege ihre Amtsgewalt gegen Sulpicius
Rufus, indem sie außerordentliche religiöse Feiertage (feriae)
erwirkten und somit eine Entscheidungsfindung behinderten.
Sulpicius ließ jedoch nicht von seinem Vorhaben ab. Er sammelte
bewaffnete Anhänger um sich und ging mit ihnen zum Forum, wo die
Konsuln gerade vor dem Castortempel eine Versammlung abhielten. Als diese
sich weigerten, ihre Feiertagsverfügung zurückzunehmen, drang
die Menge auf sie ein und tötet dabei auch Sullas Schwiegersohn.
Sulla selbst konnte sich nur knapp mit Marius´ Hilfe retten, der ihn in
seinem Haus versteckte und durch eine Hintertür Sullas Flucht ermöglichte.
Er entkam zu seinem in Kampanien bei Nola stationierten Heer und bereitete
die Abreise in den Osten vor. Währenddessen wurden die Anträge
des Sulpicius in Rom vom Volk angenommen, weiterhin bewirkte er durch
einen Volksbeschluß die Aberkennung von Sullas Kommando zugunsten
des Popularen Marius, der bei den Italikern im Gegensatz zu Sulla beliebt
war und nun zum Retter in der Not werden sollte. Zu Sullas großem
Glück aber trafen die abgesandten Tribunen mit dem Befehl, Sulla
des Kommandos zu entheben, erst ein, als Sulla schon bei seinen Truppen
weilte. Aus Empörung über diesen Volksbeschluß versammelte
Sulla seine ihm treu ergebenen Legionen um sich und erklärte, daß
Marius nicht mit ihnen, sondern mit einem anderen Heer nach Asien und
somit zu den dortigen Reichtümern aufzubrechen gedenke. Voller Wut
über die ihnen vorenthaltene Beute und Ehre steinigten die Soldaten
die beiden Tribunen und forderten, unter Sullas Kommando im Bundesgenossenkrieg
moralisch verwildert, den Zug gegen Rom selbst. Es liegt auf der Hand,
das diese Forderung genau Sullas Intentionen entsprach. Das Unrecht dieser
Entscheidung wurde Sulla zwar deutlich gewahr, denn sämtliche höheren
Offiziere bis auf einen Quästor sagten sich von ihm los, dennoch
setzte er sich und seine Legionen umgehend gegen Rom in Bewegung.
der erste marsch auf rom
Mehrere ihm auf seinem Marsch vom Senat geschickte Gesandtschaften wurden
mißhandelt oder abgewiesen, unaufhaltsam verfolgte Sulla sein Ziel.
Vor den Toren Roms angelangt, vereinigte er sich mit seinem Kollegen Q.
Pompeius Rufus und nahm rachedürstig die Stadt in mehreren kleineren
Scharmützeln, unter anderem gegen Marius und Sulpicius mit einer
eiligst zusammengerafften Schar Männer. Damit setzte Sulla in der
Geschichte Roms eine Zäsur, die ihresgleichen suchte. Niemals zuvor
hatte ein römischer Feldherr ernsthaft den ungeheuren Frevel in Erwägung
gezogen, gegen seine eigene Vaterstadt zu ziehen und sie einzunehmen.
Vermutlich waren Sullas Aufenthalt und Huldigungen im Osten des Reiches
nicht ganz schuldlos an seinem wagemutigen Vorgehen. Er hatte nicht vergessen,
daß ihm ein Chaldaeer in Kappadokien prophezeit hatte, einst in
seiner Heimat der erste Mann zu werden.
Nach der Bezwingung des letzten Widerstandes ließ Sulla die Häupter
der ihm entgegengesetzten Bewegung, insgesamt 12 Männer, darunter
Marius, dessen Sohn, Sulpicius, zwei Prätoren und andere, durch den
Senat ächten (hostem iudicare) und sandte den Flüchtigen seine
Reiter hinterher. Außer Sulpicius, der in den Sümpfen bei Laurentum
gefaßt, geköpft und in Rom öffentlich auf der Rostra ausgestellt
wurde, entkamen alle Geächteten, teils unter abenteuerlichen Bedingungen,
den Häschern Sullas. Dabei wurde deutlich, daß große
Teile der Bevölkerung mit Sullas Vorgehen nicht einverstanden waren,
denn den Flüchtigen wurde vielfache Hilfe zuteil. Marius entkam auf
Umwegen mit seinem Sohn an die karthagische Küste Afrikas.
Sulla zögerte nicht, sofort sämtliche Beschlüsse des Sulpicius
unverzüglich für nichtig zu erklären und traf zusätzlich
die Bestimmung, daß kein volkstribunaler Antrag ohne Prüfung
des Senates in die Volksversammlung eingebracht werden durfte. Es wurde
wieder zum Gesetz, was zwar seit dem hortensischen Gesetz von 287 keine
Geltung mehr hatte, jedoch allgemein praktiziert worden war. Desweiteren
erhöhte er die Mitgliederzahl des durch den Bundesgenossenkrieg stark
geschwächten Senates um 300 Ritter seines Sympathisantenkreises,
ordnete die Abstimmungsverhältnisse in der Volksversammlung neu,
indem das Volk wieder in Centuriatskomitien abstimmen sollte und nicht
mehr in Tributkomitien und erließ noch einige weitere Gesetze. Das
Volk gab ihm sein Mißfallen über seine Regierung dadurch zu
erkennen, daß es zu Konsuln des nächsten Jahres (87) nicht
Sullas Kandidaten wählte, sondern den Optimaten Cn. Octavius und
den entschiedenen, Sulla verhaßten Popularen Cornelius Cinna, einen
Anhänger des Marius und Sulpicius. Auch wurde Sullas Kollege Pompeius
Rufus von Strabos Soldaten erschlagen, als er auf Sullas Geheiß
den Befehlshaber der Nordlegionen, den Prokonsul Cn. Pompeius Strabo,
vor der Zeit ablösen sollte. Cinna mußte Sulla schließlich
eidlich versichern, daß er keine Feindseligkeiten gegen ihn begehen
werde.
3. die stadtrömischen
verhältnisse
während
sullas abwesenheit (87-83)
der krieg im osten und cinnas machtübernahme
Obwohl Cinna dessen ungeachtet direkt nach seinem Amtsantritt damit begann,
Sullas Ordnung in Frage zu stellen und sogar den Volkstribunen M. Vergilius
gegen ihn aufbrachte, beschloß Sulla, seine auf ihren Einsatz wartenden
Legionen nicht erneut gegen seine innenpolitischen Gegner ins Feld zu
führen, sondern den dringend auf seine Austragung wartenden Konflikt mit
Mithridates auszufechten. Mithridates hatte im Frühjahr 88 den Halys überschritten,
die römische Provinz Asien erobert und alle in seinem Machtbereich sich
aufhaltenden Römer und Italiker durch einen Mordbefehl hinschlachten lassen.
Er fuhr behende mit der Erweiterung seines Reiches fort und nahm schließlich
sogar Athen ein. Sullas Armeen erlebten 5 Jahre der Erfolge und Rückschläge
in einem von ihrem Oberbefehlshaber rücksichtslos und grausam geführten
Krieg.
In Rom suchte Cinna sofort nach Sullas Abreise, dessen Anordnungen rückgängig
zu machen. Sein Kollege Octavius, der Sullas Prinzipien vertrat, war zu
schwach, um gegen Cinna zu bestehen. Daraufhin kam es zu offenen Straßenkämpfen
der beiden Parteien mit zahlreichen Todesopfern. Cinna unterlag, mußte
Rom verlassen und wurde vom Senat seines Amtes entsetzt. Unter Anwendung
vielfacher rhetorischer und demagogischer Mittel, auch Bestechungen, sammelte
Cinna eine große Zahl von Italikern, deren Sache er vertrat, regulären
Soldaten und sogar Sklaven um sich. Auch Marius, dessen Name ein ungleich
größeres Gewicht bei Volk und Soldaten innehatte, war inzwischen aus Afrika
zurückgekehrt und brachte ein zweites, illegitimes Heer aus Veteranen
und Anhängern zusammen. Gemeinsam marschierten die Heere gegen Rom, das,
von immer mehr Überläufern deutlich geschwächt, sich den Aggressoren ergeben
mußte. Mit der Billigung Marius´ hub ein erschreckendes Schlachten gegen
die Feinde des Marius, fast ausschließlich Aristokraten, an. Auch andere
wurden in dem Gemetzel nicht verschont. Das führte so weit, daß Marius
seine zügellosen Banden von regulären Soldaten bekämpfen lassen mußte,
um dem Morden Einhalt zu gebieten. Zahlreiche politische Flüchtlinge sammelten
sich in Sullas Hauptquartier im Osten. Als Marius zu Beginn seines siebenten
Konsulates im Jahre 86 starb, wurde deutlich, daß sich aus dem angerichteten
Chaos keine kreativen, politischen Kräfte herauskristallisiert hatten.
In den nächsten Jahren war Cinna, der sich stets erneut zum Konsul ernannte,
der gewaltsame, konzeptions- und ideenlose Führer des staatlichen Apparates.
Sulla wurde zum Staatsfeind erklärt und seine Güter verwüstet. Lediglich
die Bundesgenossenfrage wurde in dieser Zeit endgültig im Sinne der Italiker
gelöst.
der zweite marsch auf rom
Nach Sullas Sieg im Osten (mit Mithridates war ein für den König vorteilhafter
Frieden geschlossen worden) und unbarmherzigen Auflagen für die Provinz
Asien, von denen sich manche Landstriche wirtschaftlich nicht mehr erholen
konnten, betrat er im Frühling des Jahres 83 wieder mit seinen erneut
auf ihn eingeschworenen Legionen italischen Boden bei Brundisium. Er war
fest entschlossen, sich an seinen politischen Gegnern gnadenlos zu rächen
und in Rom wieder Ordnung einkehren zu lassen. Ein Versuch der römischen
Führung im Jahre 86, ihn des Oberbefehls zu entsetzen und den Krieg einem
eigenen Feldherrn samt Heer zu übertragen, scheiterte am Vorgehen des
von Cinna entsandten Konsuls L. Valerius Flaccus, der entgegen seinem
Auftrag nicht mit Sulla verhandelte und in Kleinasien einen eigenen Krieg
gegen Mithridates begann.
Sulla stand 83 nun einer kopflosen römischen Führung gegenüber - Cinna
war 84 von meuternden Truppen erschlagen worden - und trotz Sullas Zusicherung,
an der Bundesgenossenfrage nicht weiter zu rühren, griffen die Italiker,
allen voran die Samniten, zu den Waffen, um die römische Regierung im
Kampf gegen den Heimkehrer zu unterstützen. Der völlig überraschte Senat
erließ auf die Nachricht von Sullas Eintreffen sofort ein senatus consultum
ultimum und übertrug damit den amtierenden Konsuln sämtliche Vollmachten
zur Rettung aus dieser prekären Situation. Da es aber im gesamten südöstliche
Litoral keinerlei Populartruppen gab, konnte Sulla schnell Brundisium,
Messapien und Apulien besetzen, während sich ständig optimatische Anhänger,
darunter Qu. Metellus, M. Crassus und der junge Cn. Pompeius samt den
Veteranen seines Vaters immerhin 3 Legionen -, und Überläufer der
Popularen bei ihm einfanden. In Kampanien besiegte Sulla trotz zahlenmäßiger
Unterlegenheit das Heer des Konsuls C. Norbanus, der sich daraufhin in
Capua verschanzte. Bei Teanum traf Sulla auf den Konsul Scipio mitsamt
seinen Legionen, dem jedoch aufgrund eines zuvor vereinbarten und von
ihm gebrochenen Waffenstillstandes zahlreiche Legionäre davonliefen und
zu Sulla wechselten. Sie hatten sich nämlich in der Zeit der Waffenruhe
mit den kriegsgeübten und sehr viel erfahreneren Veteranen des Sulla bekanntgemacht
und die geringen Chancen auf einen Sieg durchaus durchschaut. Scipio,
zunächst von Sulla entmachtet, erhielt freies Geleit und leistete später
wieder unbedeutenden Widerstand. Während des darauffolgenden Winterquartieres
in Kampanien verständigte sich Sulla mit zahlreichen italischen Gemeinden
und gewann deren Loyalität.
Im Frühling 82 wurden Papirius Carbo und der Sohn des Marius, C. Marius
(erst 20 Jahre alt!), zu den neuen Konsuln gewählt. Um neue Streitkräfte
unterhalten zu können, wurden sogar die Tempel Roms vom Senat geplündert,
und besonders in Samnium begannen daraufhin heftige Rüstungsvorbereitungen.
Aber auch Sulla war nicht untätig gewesen, und so begann beiderseits der
Feldzug im Frühling wieder mit erstärkten Kräften und hoher Motivation.
Auf Carbos Antrag wurden von den römischen Komitien noch alle in Sullas
Lager befindlichen Senatoren geächtet, bevor sich die Heere einander zuwandten.
Die Optimatenarmee teilte sich, Metellus zog gegen Carbo nach Oberitalien,
Sulla gegen Marius und Rom selbst. Der unerfahrene Marius wurde vernichtend
geschlagen und befahl beim Rückzug die Räumung Roms und die Ermordung
der senatorischen Gegner, die unter einem Vorwand zusammengerufen und
getötet wurden. Aber das Schlachtenglück stand auf des Messers Schneide,
und eine Niederlage der Popularen wurde immer wahrscheinlicher. Sulla
ließ Marius´ Fluchtburgen Norba und Praeneste aushungern und besetzte
ohne Gegenwehr Rom, traf dort die nötigsten Anordnungen zur Beruhigung
der allgemeinen Lage und verband sein Heer dann wieder mit dem des Metellus
in Norditalien. Die Schlacht mit Carbo endete zunächst unentschieden,
und eine samnitisch-lucanische Entsatzarmee mit Ziel Praeneste zwang Sulla
zunächst, sich dieser zuzuwenden. Ein erneutes Gleichgewicht der Kräfte
zeichnete sich ab. Die Entscheidung fiel aber im Norden: Metellus schlug
den immer noch aktiven Norbanus im Potal vernichtend, es kam zu zahlreichen
Überläufen, Carbo floh, und seine Truppen ergaben sich oder wurden aufgerieben.
Das daraufhin verzweifelte samnitische Ersatzheer wandte sich selbstaufgebend
gegen Rom, eingekreist von Sullas Armeen. Kurz vor Rom griff er sie an,
und die zuerst glücklose Schlacht endete durch das Desertieren von 3000
Mann zu Sulla mit der totalen Vernichtung des ihm so verhaßten Ersatzheeres
der Samniten, die auf dem Marsfeld hingerichtet wurden, während Sulla
selbst eine Senatssitzung abhielt. Die restlichen Widerstandsheere ergaben
sich oder wurden zerschlagen, und der Kampf hielt lediglich in den Provinzen
noch an. Racheakte an mit den Popularen verbündeten Städten und Personengruppen
beendeten Sullas zweiten italischen Feldzug.
4. die jahre 82-78
sullas gewaltakte und die proskriptionen
Sulla erkannte, daß der römische Staat nicht durch eine Waffenruhe und
Rückkehr zur ursprünglichen Verfassung zu retten sei. Er war entschlossen,
eine radikale Restauration eines Staates herbeizuführen, der für seine
Gegner keinen Platz mehr bot. Er wollte die physische Vernichtung seiner
Feinde, besonders in den Reihen des von ihm als eigentliche Belastung
des Staates angesehenen Rittertums, das bis zuletzt dem Sulpicius Rufus
seinen Beistand versichert und aus den Ereignissen der letzten zehn Jahre
ökonomischen Profit geschlagen hatte.
Die nächsten sieben Monate stellten die blutigste Zeit von Sullas Gewaltherrschaft
dar. Er ließ die Gebeine des Marius ausgraben und in den Anio streuen,
machte alle Verfügungen Marius´ rückgängig und entfernte Bilder oder Säulen
mit dessen Ruhmestaten aus Rom. Tausende seiner Feinde, ausschließlich
Aristokraten und Ritter, fielen den Proskriptionen zum Opfer, einem Edikt,
das jeden von ihnen in Form öffentlicher Listen zu einem Vogelfreien erklärte
und dem Dolche eines Mörders reiche Beute versprach. Dieses Verfahren
war an sich zwar tief aus dem Schatten der Rechtlosigkeit herausgetreten,
doch heiligt der Zweck bekanntlich die Mittel. Die Güter der Ermordeten
oder Verbannten wurden an Sullas Anhänger versteigert, deren Söhne und
Enkel von allen Ämtern ausgeschlossen. Gleiches galt sogar für die im
Kampf gefallenen Gegner Sullas. Durch gelegentliche Erweiterungen der
Listen herrschte darüber hinaus eine ständige Existenzangst in den führenden
Kreisen Roms. Sulla bezweckte eine gründliche Verschiebung in der herrschenden
Oberschicht des römischen Volkes zu seinen Gunsten, um seine Erlasse auf
Dauer zu etablieren. In den ca. 10000 Sklaven der Proskribierten, die
gänzlich als seine persönlichen Freigelassenen galten und die von ihm
adoptiert und mit dem Gentilnamen der "Cornelier" versehen wurden,
fand er neben seinen Günstlingen und Veteranen eine weitere, treue Klientel.
Während in Rom nur die Oberschicht Sullas Rachezorn zu spüren bekam, mußte
das geringe Volk Italiens, im Bereich der ehemaligen Bündner, ein noch
viel schwereres Joch ertragen. Die Italiker wurden von Sulla trotz Anerkennung
ihrer neuerworbenen Rechte wie auswärtige Feinde behandelt, nie gesehene
Massenabschlachtungen, Vertreibungen und Grenzverschiebungen mußte Italiens
blutdurchtränkte Erde erblicken. Die Samniten wurden vollends ausgerottet
und weite Landstriche Italiens derart verwüstet, daß sie sich nicht mehr
zu erholen imstande zeigten. Diese Bestialitäten erwiesen sich jedoch
für Sullas Position in mancher Hinsicht als vorteilhaft, er konnte nun
ungehindert seine ungefähr 100.000 Veteranen auf italischem Boden ansiedeln,
befriedigte damit ihre elementaren Erwartungen an ihren Feldherrn und
besaß in ihnen ein großes Reservoir von Anhängern und ständig verfügbaren
Kampfgenossen, die, über ganz Italien verteilt, zusätzlich eine ausgezeichnete
"Wächterfunktion" über die Italiker besaßen. Dabei bediente
er sich auch des Gedankengutes der Gracchen, wenn er untersagte, die zugewiesenen
Parzellen eigenmächtig zu veräußern.
die diktatur sullas
Diese Situation der uneingeschränkten Gewaltherrschaft konnte aber bei
einem so stark in Rechtsformen denkenden, auf eine lange republikanische
Tradition zurückblickenden Volk wie dem römischen nicht lange aufrechterhalten
werden. Deshalb bemühte sich Sulla um eine nachträgliche Legitimation
seines Tuns. Er erkannte die Bedeutung einer formellen, rechtlichen Basis
seiner nach Kriegsrecht erworbenen Macht, um ein dauerhaft zuverlässiges
Funktionieren der neuen Ordnung zu gewährleisten. Da beide Konsuln im
Bürgerkrieg gefallen waren, ließ er den Senat verfassungsgemäß einen Interrex
bestimmen. Die Wahl fiel auf den princeps senatus L. Valerius Flaccus,
dem gescheiterten Vermittler zwischen Sulla und den Popularen zur Zeit
Cinnas. Ihn überzeugte Sulla von der Wichtigkeit eines Diktators für das
Staatswohl anstelle von den üblichen, neuen Konsulwahlen unter seiner
Aufsicht. So wurde Sulla durch ein von Flaccus eingebrachtes Gesetz zum
dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae (Diktator
zur Abfassung von Gesetzen und zur Ordnung des Gemeinwesens) ohne zeitliche
Begrenzung, alle rechtliche Gewalt wurde auf Sulla übertragen und seine
gesamten Handlungen und Verfügungen nachträglich als rechtskräftig anerkannt.
Unmittelbar darauf setzte Sulla Flaccus als magister equitum ein
und gab überraschend die Erlaubnis zu Konsulwahlen. Es wird deutlich,
daß Sullas Diktatur nicht derjenigen der ursprünglichen republikanischen
Verfassung entsprach, vielmehr übernahm er nur die äußere Form der früheren
Diktatur, beispielsweise die Ernennung durch einen Interrex.
Sulla baute daraufhin mit tief konservativer Einstellung die römische
Verfassung mit der Ambition um, das den Staat tragende aristokratische
Herrschaftsinstrument wiederherzustellen und zu erhalten. Dabei wollte
er die Verfassung für zukünftige Angriffe stabiler gestalten und bewirkte
unter anderem eine entscheidende Schwächung des Volkstribunats, welches
für ihn die Wurzel allen Übels darstellte. Einem Volkstribunen war fürderhin
jede weitere Betätigung in einem kurulischen Amte versagt, was bedeutete,
daß die Bekleidung dieses Amtes eine zukünftige politische Karriere zerstörte.
Auch die unvermeidlich engen Bindungen der römischen Kommandeure zu ihren
Heeren und die damit einhergehende Revolutionsgefahr unterband er durch
die Verfügung, daß die Magistrate cum imperio während ihrer regulären
Amtszeit Italien nicht verlassen durften und somit keinen Kontakt zu einem
Heer bekamen. Nach dem Amtsjahr sollten sie als Promagistrate in die Provinzen
abkommandiert werden, die sie unter Strafe nicht mit einem Heer verlassen
durften. Um die Zahl der Magistrate den Provinzen anzugleichen, erhöhte
er die Zahl der Prätoren auf acht. Weiterhin reformierte Sulla beispielsweise
das Strafrecht durch Vermehrung der stehenden Gerichtshöfe und erließ
Gesetze zur Verbesserung der Sitten sowie gegen Ehebruch und Verschwendungssucht.
sullas etablierung der reformen und
sein letztes jahr
Sullas diktatorische Gesetzgebung fand im wesentlichen im Jahr 81 statt.
Um die reformierte Verfassung mitsamt den staatlichen Mechanismen in Gang
zu setzen, erkannte Sulla klug und umsichtig, daß er sich von seiner Machtposition
nach Vollendung seines Werkes allmählich lösen mußte, um der republikanischen
Ordnung ihre Eigendynamik in nun neuen (alten?) Bahnen wiederzugeben.
Im Jahre 80 bekleidete er zusammen mit Q. Caecilius Metellus Pius das
Konsulat und ein Jahr später legte er jegliche staatliche Würde, namentlich
seine Diktatur, nieder.
Das Privatleben auf seinem cumanischen Landgut bot Sulla zahlreiche Reize,
ähnlich denen seiner Jugend, und er brauchte mögliche Repressalien seiner
Gegner aufgrund seiner gewaltigen Klientel nicht zu fürchten. Als er im
folgenden Jahr (78) starb, geleiteten ihn seine ehemaligen Soldaten in
Reih und Glied, wie sie unter ihm gedient hatten, zur letzten Ruhestätte.
Sulla, der große, vom Glück verwöhnte römische Staatsmann und Feldherr,
konnte die Früchte seiner Bemühungen nicht mehr miterleben. In der Nachwelt
aber verankerte sich die Erinnerung an seine grausamen Taten tiefer als
seine Verdienste um den römischen Staat.
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