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referat

 
möglichkeiten und grenzen von ´oral history´ -
´oral history´ als wissenschaftliche methode
und als mittel für den schulischen unterricht
[Elena Heddergott, Ev. Fachhochschule Hannover]

 

 

inhalt

 

1. einleitung

"Geschichte muß doch wohl allein auf Treu und Glauben angenommen werden? Nicht?"
(Lessing, Nathan der Weise III, 7)

Zeitzeugenbefragungen, sog. ´Oral History´, haben als Methode der Geschichts- und Sozialforschung eine anscheinend deutliche Aufwertung erfahren. In zahlreichen Publikationen und besonders in Funk- und Fernsehsendungen über Geschichte etc. registriert man mittlerweile zunehmend schriftliche oder audio-visuelle Interviews von Menschen, die besonderen historischen Ereignissen vermeintlich oder tatsächlich nahe standen und/oder stehen. Auch bei schulischen und universitären Projekten ist ein verstärktes Interesse an dieser Methode der Forschung zu verzeichnen.

Allerdings entsteht bei der Betrachtung dieses Themas unmittelbar die Frage, inwieweit ein ´Oral History´ - Gespräch über eine lediglich aktuelle Rekonstruktion hinausgeht, die im eigentlichen Sinne nichts über die Vergangenheit sagt, sondern bloß über heutige Deutungsmuster, Orientierungen und Lebensauffassungen des Interviewten. Ist ´Oral History´ generell nicht zufällige, einseitige, ja gar individuell verfälschte Geschichte, die somit nicht als Ergänzung der herkömmlichen Forschung herangezogen werden kann? Und wie steht es mit der inzwischen recht beliebten "Aufarbeitung der Vergangenheit" durch ´Oral History´ im schulischen Unterricht und universitären Betrieb?

Fragen, die diese Arbeit thematisch untersuchen wird. Dabei wird als ausschlaggebende Literatur auf Franz-Josef Brüggemeier, Gerhard Henke-Bockschatz, Alois Ecker und Martin Schaffner Bezug genommen, unterstützt durch zahlreiche befürwortende und kritische Publikationen anderer Historiker und Sozialwissenschaftler zur ´Oral History´. Nach der Definition und Beschreibung von ´Oral History´ und der damit eng verbundenen Technik des Interviews werden beide Bereiche im dritten Kapitel zunächst kritisch analysiert, bevor folgend die Möglichkeiten und Probleme des Einsatzes von ´Oral History´ im schulischen Betrieb dargestellt und diskutiert werden.



2. was versteht man unter ´oral history´?

Seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts hat die Sammlung und Archivierung mündlicher Aussagen von Zeitzeugen, trotz mancher und teilweise wohlbegründeter Kritik und Vorbehalte in Historikerkreisen, als ein technisches Hilfsmittel spezieller historischer Forschungsgebiete zunehmend an Bedeutung gewonnen. Nicht nur in der quantitativen Anwendung, also hinsichtlich der Zahl der interviewten Personen, sondern auch im Hinblick auf Menge und Umfang der in diesem Bereich durchgeführten Projekte hat die sogenannte ´Oral History´ eine deutliche Aufwärtsentwicklung erfahren. Sie wird dabei als Möglichkeit wahrgenommen, dem Mangel an schriftlich tradierten Quellen und Überresten zu begegnen. Für zahlreiche Probleme und Fragenkomplexe, vor allem in den Gebieten der Sozial- und Politikgeschichte, bildet diese Methode der Geschichtsforschung den einzigen Zugang. Dies trifft gerade für den Bereich der subjektiven Erfahrung der allgemeinen und individuellen Lebensumstände, der zwischenmenschlichen Beziehungen und der gesellschaftlichen sowie politischen Einstellungen der Menschen zu, wobei die mündliche Überlieferung als zentrales Medium der ´Oral History´ die teilweise einzig verfügbaren Informationen zur Geschichte der unteren sozialen Schichten der Gesellschaft zu liefern vermag.

Unter ´Oral History´ ist grundsätzlich eine besondere Art der Beschaffung und Verarbeitung von mündlich tradierten Quellen zu verstehen. ´Oral History´ bezeichnet man daher auch als "erinnerte Geschichte". Durch Interviews mit Beteiligten, Betroffenen und zeitnahen Beobachtern historischer Prozesse wird, in der Regel unter Zuhilfenahme eines Tonbandgerätes, Erlebtes und Berichtetes aufgearbeitet. Im Unterschied zu anderen Bereichen der Heuristik sind die Quellen nicht unmittelbar zugänglich, da sie durch das lebensgeschichtliche Interview erst erstellt werden und sie sich der Historiker somit erst im persönlichen Gespräch erarbeiten muß. Er hält dabei allerdings nicht an einem detaillierten Fragebogen fest; es handelt sich demnach nicht um ein strukturiertes Interview. Man geht davon aus, daß durch einen unbefangenen wechselseitigen Dialog die Vergangenheit lebendiger und zuverlässiger erinnert und aufgearbeitet wird als bei formal ausgearbeiteten Detailfragen. ´Oral History´ beruht also auf einer zweckgerichteten Interaktion und Kommunikation zwischen Menschen, genauer auf einer auf die Erweiterung von Artikulations-, Selbstdarstellungs-, Erkenntnis- und Interpretationsmöglichkeiten abzielenden, gemeinsamen Anstrengung zweier oder mehrerer Gesprächspartner.

Die gerade beschriebene Interview-Methode steht jedoch lediglich ergänzend neben dem gesicherten Methodenbestand der Geschichtswissenschaft, z.B. der Urkunden- und Aktenanalyse sowie der generellen Interpretation schriftlicher Nachlässe. Sie stellt somit nur eine Verfahrensweise aus dem breiten methodologischen Spektrum der empirisch-analytischen Sozialwissenschaften dar.

Durch lebensgeschichtliche Befragungen sollen, so die Erwartung, alltägliche Routinen und Handlungen dem Gedächtnis der Zeitzeugen entlockt werden. Oftmals soll dabei der in der Vergangenheit erlebte Alltag aufgeschlüsselt und aufgearbeitet werden, so daß ´Oral History´ in nicht unerheblichem Maße eine "Geschichte von unten" darstellt. Im Mittelpunkt dieser mündlichen Geschichte stehen Dimensionen der Realität, die der historischen Analyse und Betrachtung normalerweise weitgehend entzogen sind, weil schriftliche Quellen häufig nur durch Fremdwahrnehmung geprägte Quellen darstellen. Der Historiker oder Sozialwissenschaftler nimmt dabei mittelbar und unmittelbar Einfluß auf die entstehende Ton- oder Schriftquelle, indem er durch sein lenkendes Eingreifen im Gespräch letztlich Form und Inhalt des Interviews beeinflussen kann.

Das Endprodukt der ´Oral History´ ist das maschinegeschriebene Transkript dessen, was ein Mensch im Laufe eines oder mehrerer Interviews einem anderen mit der Absicht erzählt hat, etwas von bleibendem Wert historischer Darstellung auf Band zu bringen. Dabei handelt es sich um die teilweise oder zur Gänze noch unaufgezeichneten Aspekte der Lebensgeschichte des Erzählers. Diese Geschichte kann im Umfang selbstredend variieren und aus einer oder mehreren Episoden, Phasen oder Beziehungen aus diesem Leben besteht.


2.1 die interviewsituation: vorgehen und verfahren

In der Forschungspraxis der ´Oral History´ hat es sich als vorteilhaft erwiesen, den zu interviewenden Zeitzeugen zunächst zu bitten, in der ihm angemessen erscheinenden Form über sein Leben zu berichten. Bei diesem Vorgehen wird der vergangene Kontext offensichtlich in hohem Maße wieder gegenwärtig und er scheint weitgehend zuverlässig abgerufen werden zu können. Offene Interviewverfahren werden bevorzugt, und in der ersten Interviewphase wird die Rolle des Interviewers sehr zurückgenommen. Eine zentrale Gesprächsführungstechnik, durch die der Einfluß des Interviewers auf sein Gegenüber gemildert werden kann, ist das aktive Zuhören. Der Interviewer vermeidet dabei, Fragen nach kausalen Verbindungen in den dargebrachten Hintergründen zu stellen, wie zum Beispiel "Warum haben Sie das gemacht?". Gelegentliches Nachfragen, mittels sog. Reiz- oder Impulsfragen, soll lediglich dazu dienen, das Gespräch in Gang zu bringen und zu erhalten, und der Interviewer beschränkt sich zusätzlich auf Fragen, die für das Verstehen des vom Interviewten benannten Zusammenhangs notwendig sind.

Nach Abschluß des ersten Gesprächsabschnittes, das heißt wenn die Biographie des Befragten erschöpfend dargestellt wurde und dieser signalisiert, daß er seinen Bericht abgeschlossen hat, werden gesprächsimmanente Fragen gestellt, und es erfolgen verstärkte Eingriffe. Die Aufteilung des Interviews auf mehrere Termine kann darüber hinaus den Vorteil bieten, daß die erhaltenen ersten Informationen in Ruhe daraufhin untersucht werden können, welche Bereiche bereits zur Sprache kamen und inwieweit sich ein weiteres Nachfragen lohnen kann. Der Wissenschaftler sollte dabei immer in der Lage sein, den Assoziationsketten des Zeitzeugen zu folgen und dessen Wahrnehmungen und Deutungen nachzugehen. Es empfiehlt sich in diesem Bezug, zumindest ausgewählte Gespräche durch Dritte kontrollieren zu lassen, um die komplexen Interaktionsmechanismen während des Interviews herauszuarbeiten und das Verhältnis zwischen Befragten und Interviewer genauer bestimmen zu können.

Historisches Geschehen wird von den Zeitzeugen erlebt, das heißt mit allen Sinnen erfahren und wahrgenommen. Indem der Befragte bewußt oder unbewußt versucht, seine Erlebnisse mit den neuen, der erzählten Lebensepisode folgenden Erfahrungen in Einklang zu bringen, muß das ursprüngliche Ereignis jedoch zwangsläufig verfälscht werden. Sprachliche Zwänge und gesellschaftliche Normen lassen oft keinen Raum für authentische Erinnerung. Bei wiederholter Schilderung eines Erlebnisses oder Vorgangs kann sich somit ungünstigenfalls ein Erzählmuster verfestigen, das sogar an die Stelle der tatsächlichen Erinnerung treten kann. Ändern sich die Lebensumstände des Betreffenden, kann dies mit der Umwertung von Erfahrungen und Verhaltensweisen einhergehen, so daß sie ganz anders wahrgenommen, eingeschätzt und geschildert werden. Als Interviewer sollte und darf man also nicht mit der Erwartung ins Gespräch gehen, "absolute" Wahrheiten zu erfahren. Da die Gefahr bewußter Fälschung demnach nicht grundsätzlich auszuschließen ist, sind Kontrollen durch andere Personen, der Vergleich mit anderen Arbeiten und die Überprüfung der Ergebnisse im wissenschaftlichen Diskurs unbedingt für ein stimmiges Bild notwendig und verpflichtende Nachbearbeitung von aus ´Oral History´ gewonnenen Erkenntnissen.

´Oral History´ bemüht sich im wesentlichen um Erinnerungsarbeit, bei der dem Interviewer eine große Verantwortung gegenüber dem Befragten zuteil werden kann. Die Gesprächssituation kann, besonders z.B. bei Holocaust-Überlebenden oder ehemaligen Soldaten, sehr schmerzhafte Erinnerungen, seit langem bewußt Verdrängtes und auch dramatische Erfahrungen ins Gedächtnis zurückrufen und so zu einer teilweise erheblichen psychisch-mentalen Belastung für den Befragten führen, mit der umzugehen vom Fragenden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Rücksicht erfordert. ´Oral History´ bedeutet diesbezüglich einen permanenten Konflikt zwischen den historischen Verdrängungen, Modifikationen und Veränderungen des Befragten und der sensiblen Suche des Fragenden nach als wahr einzustufenden Aspekten. Die Gesprächssituation selbst wird von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt. Das Alter der Interviewpartner, ihr Geschlecht und ihre Nationalität haben entscheidenden Einfluß auf das Gespräch. Ebenso können die soziale Schichtzugehörigkeit und der Bildungsstand der Beteiligten sowie auch die Religionszugehörigkeit eine große Rolle spielen. Sympathie oder Antipathie zwischen Fragenden und Befragten kann ebenfalls ein gesprächsprägender Faktor sein, und auch im Verlauf des Gespräches kann Vertrauen gewährt oder auch, ein sehr wichtiger Punkt, entzogen werden.

Nach Beendigung eines Interviews werden von den gesammelten lebensgeschichtlichen Materialen Abschriften angefertigt. In diesem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß es Schwierigkeiten in sich bergen muß, Gesprochenes und Erzähltes in eine angemessene schriftliche Form zu bringen. Nuancen im Habitus des Erzählenden während des Interviews, Betonungen, besonders Gefühle, Gesprächspausen und die beim Gespräch vorherrschende Atmosphäre können im Hinblick auf die Beeinträchtigung der Lesbarkeit des Protokolls nur in kleinen Anmerkungen wiedergegeben werden. Die mit Hilfe der ´Oral History´ entstandene Quelle ist also im Endeffekt Folge eines wechselseitigen Dialoges, der ungleich mehr beinhaltet als das, was letztlich auf den Tonkassetten zu hören ist - von den noch enger begrenzten Möglichkeiten des finalen Transkriptes ganz zu schweigen.

Der Leiter des Interviews muß also das Beziehungsgefüge von Erfahrungen und Gefühlen sehr gut verstehen und im gemeinsamen Gespräch umsetzen können. Er muß seinen Gesprächspartner selbstredend ernst nehmen und unbedingt davon absehen, verfälschte erinnerte Fakten inquisitorisch mitten im Diskurs zu verbessern. Dabei darf er natürlich nicht vergessen, daß die Vergangenheit Gefahr läuft, vom Befragten, wie oben schon detailliert geschildert, aus der aktuellen Situation heraus nachträglich konstruiert zu werden. Der Interwiewer muß im Hinblick auf diese Problematik stets akzeptieren, daß bewußte Verdrängungsprozesse auch zum Schutz und Selbstschutz der erzählenden Person dienen. Ein Forscher, der sich der ´Oral History´ bedient, muß sich demnach ständig darüber im klaren sein, daß er dadurch eine nicht zu unterschätzende ethische Verantwortung gegenüber seinen Gesprächspartnern trägt, denn der Interviewte hat in hohem Maße Anspruch auf Wahrung seiner persönlichen Integrität, Würde und öffentlichen wie auch privaten Achtung.



3. ´oral history´ als methode der modernen geschichtsforschung

3.1 kritische betrachtung des interviews

Vorzüge, Nachteile und Möglichkeiten der Interview-Methode genau zu bewerten, fällt nicht leicht, wofür unterschiedliche Gründe darlegbar sind. Zum einen hat sie sich bisher weitgehend außerhalb, an den Randzonen der historischen Wissenschaft, bewegt. Zudem entwickelten sich die wesentlichen Impulse der ´Oral History´ aus inhaltlichen Interessen an bis dahin vernachlässigten Themenbereichen und Fragestellungen, und die methodologischen Überlegungen konzentrierten sich anfänglich primär auf Fragen des technischen Ablaufs und Vorgehens der Interviewführung, der Transkription, Materialaufarbeitung etc. Mittlerweile ist mehr als deutlich geworden, daß durch den Umgang mit diesem Verfahren grundlegende methodische und theoretische Probleme entstehen können.

Bereits seit längerer Zeit werden Interviews unter politischen Fragestellungen durchgeführt, vor allem in der Absicht, den Mangel an schriftlichen Quellen durch die Erinnerungen der Interviewpartner anzureichern. Gespräche mit beteiligten Personen soll weiterhelfen und die Rekonstruktion komplexer Abläufe ermöglichen. Die Möglichkeit der ergiebigen Befragung von Zeitzeugen beginnt in der Gegenwart und endet bereits bei der Generation, die den Aufstieg des Nationalsozialismus miterlebt hat. Für die Aufarbeitung der deutschen Geschichte kommt beispielsweise hinzu, daß für die Zeit des Faschismus so manche schriftliche Quelle in spezifischer Weise verzerrt ist, so etwa für den Bereich des Widerstandes gegen das Regime. Die unmittelbare Nachkriegszeit ist angesichts der eingeschränkten Bedeutung des administrativen und politischen Systems in den Jahren nach 1945 durch eine lückenhafte Quellenbasis gekennzeichnet, so daß für diese beiden Abschnitte deutscher Geschichte den Interviews mit Zeitzeugen eine besondere Bedeutung zukommt. Gerade bei politikgeschichtlich ausgerichteten Interviews zeigt sich jedoch häufig, wie sehr Rechtfertigungen, Verdrängungen oder erst später eingeflossene Informationen auf Seiten der Befragten es erschweren, die erhaltenen Aussagen zu bewerten und sie zu verwenden. Die erlebten Ereignisse und das eigene Verhalten werden von den Zeitzeugen aus heutiger Sicht betrachtet und vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Interpretationsoptionen geschildert. Die Informationen, insbesondere in Interviews zum Thema Nationalsozialismus, werden nicht sachlich aus der Erinnerung abgerufen und neutral geschildert, sondern immer auch mit nachträglichen Deutungen, Wertungen und wohl auch (Selbst-)Täuschungen versehen.

Ebenso wie schriftliche Quellen ist somit auch das Erinnerte nicht mit Geschichte an sich gleichzusetzen, es kann aber, sofern kritisch interpretiert, den Zugang zu Teilbereichen der Geschichte erheblich erleichtern. Jeder Mensch unterliegt der natürlichen Erinnerungsverarbeitung: Die eigene Vergangenheit, Ereignisse, Verhaltensweisen und Einstellungen werden aus gegenwärtiger Sicht beschrieben und beurteilt. Dabei kommt es zumeist zu Filterungen, Ausblendungen, Verzerrungen etc. So bleiben etwa besonders angenehme und auch besonders schreckliche Ereignisse in der Erinnerung besser haften als der Alltag, die Normalität oder selbstbelastende Handlungen, die - verständlicherweise - nur zu gern verdrängt werden. Letztere, an denen der Interviewer besonders interessiert ist, verbergen sich unter Umständen in Episoden und Geschichten, die nur auf den ersten Blick unwichtig sind. Daher verlangt die Methode der ´Oral History´ mit dem Mittel des Interviews ein großes Maß an Detailkenntnis des Forschers in dem zu bearbeitenden Bereich, um den Wert jeder Aussage schnell und treffend interpretieren zu können. Vorsicht ist dabei allerdings in puncto Deutung ebenfalls geboten, um vermeintlich neu gewonnene Erkenntnisse nicht vorschnell zu kategorisieren und in ein bekanntes Raster einzuordnen.

Lebensgeschichtliche Interviews orientieren sich oft und in hohem Maße an Darstellungen des Lebenslaufes, etwa so, wie sie in Bewerbungen gefordert werden. Der Erzähler wird sich kaum von sozial- und individualpsychologischen Normen lösen können. Die sinnvolle Wiedergabe des Lebens wird zusätzlich begleitet von anderen Erzählzwängen, zum Beispiel müssen die Ereignisse ausgewählt und prägnant geschildert werden. Der Erzählende wird sich zwischendurch immer seiner Zuhörerschaft versichern wollen. Als Stilmittel kann er besonders komische oder drastische Schilderungen wählen und wird Geschichten erzählen, die sich schon in einer anderen Situation bewährt haben. Erzähler und Zuhörer treffen sich zwar auf einer gemeinsamen Ebene, weil sie schließlich das gleiche Interesse, also das kooperative Erstellen eines Quellenproduktes, zusammenführt, aber der offen oder subtil hintergründig agierende Gesprächsleiter muß mit tiefgehender Menschenkenntnis Phantasie und Wirklichkeit, Wahrheit und verbale Dichtung seines Gegenübers schnell und mit entsprechender Reaktion zu ordnen wissen.


3.2 anmerkungen zur methode der ´oral history´

Es kann nicht überraschen, daß bei politikgeschichtlichen Fragestellungen eine gewisse Skepsis herrscht und daß den Interviews nach wie vor nur ein begrenzter Stellenwert zugeschrieben wird. Untersucht man beispielsweise die These, daß ´Oral History´ Alltagsgeschichte betreiben, erforschen und aufarbeiten möchte, so stellt sich unweigerlich die Frage, ob und wieviel mehr sie eigentlich leisten kann und ob sich die beteiligten Personen auch ausschließlich an diesem Anspruch orientieren. ´Oral History´ möchte die Menschen zum Sprechen bringen, die sonst nicht zu Wort kommen. Nur: Was bzw. wieviel Relevantes haben diese Menschen zu historischen Begebenheiten zu berichten? Befragt man z.B. eine ehemalige Landarbeiterin zu einem so umfassenden Ereignis wie dem Zweiten Weltkrieg, so kann theoretisch das Ergebnis aus der Perspektive der ´Oral History´ stark relativiert werden. Ihre direkte Erinnerung daran ist aber natürlich nur persönliches Erleben, wie generell die mündliche Überlieferung stark persönlichkeitsbezogen ist. Ein General ließe sich zu diesem Thema ganz anders befragen, und es würden andere Erinnerungsaspekte in den Vordergrund der Unterhaltung treten.

Mit diesem Problem sieht sich diese Forschungsmethode allgemein konfrontiert. Die Neigung vieler Befragter, persönlich Erlebtes zu verallgemeinern, Tatsachen zu verdecken oder auszuschmücken oder sich mit Aussagen und Auftreten zu profilieren, erfordert, wie schon angemerkt, sehr viel Nachbearbeitung und detaillierte Analyse seitens des Forschers. Hinzu kommt, daß, außerhalb der Alltagsgeschichte, gerne in der Fremd- oder auch Selbstbetrachtung angeblich wichtige Personen zu Themen befragt werden, die realiter nur wenig zu sagen haben. Somit wird jede noch so entfernte Sekretären Hitlers zu einer Kapazität für Berichte aus der Reichskanzlei, wird jeder Überlebende des Holocaust zu einer unangreifbaren Koryphäe auf diesem Gebiet. Eine wohlabgewogene Deutung der Berichte wird damit zunehmend schwerer. Dabei darf man trotzdem nicht den Wert von ´Oral History´ für bestimmte historische Bereiche unterschätzen. Viele Menschen, besonders aus gebildeten Schichten, sind durchaus in der Lage, Wichtiges und Wissenswertes aus ihren ehemaligen Bereichen zu berichten. Wie war der Ablauf eines Arbeitstages in der Reichskanzlei? Wie wurde das Leben im KZ persönlich empfunden? Wie faßte man die Kameradschaft in der Truppe auf? Fragen, die erschöpfend nur mit individuellen Berichten und mit Hilfe der ´Oral History´ beantwortet werden können.

In Anbetracht dessen bleibt trotzdem fragwürdig, ob ´Oral History´ den Ansprüchen einer Geisteswissenschaft in Form ausgiebig begründeter und erforschter Thematiken genügen kann. Alltagsgeschichte als Hauptbereich der ´Oral History´ wird zwar zunehmend als wichtiger Punkt der Geschichts- und Sozialforschung betrachtet, aber ob sich ein tiefergehenderes Bild von Epochen und Ereignissen rein aus der Befragung von Zeitgenossen ergeben kann, sei angezweifelt. Kritikwürdig ist diesbezüglich auch die Beliebigkeit, mit der Interviews vorgenommen werden. Wer wird gefragt, wer kommt nicht zu Wort? Wie gestalten sich die Gespräche mit unterschiedlichen Partnern? Wie hoch ist das Erinnerungsvermögen der beteiligten Personen, wie gut die individuelle Bemühung um Objektivität? Die ´Oral History´ bietet inhaltlichen und methodischen Kritikern zahlreiche Angriffspunkte, indem z.B. der Aussagewert von Interviews in Zweifel gezogen, mit eigenen Ergebnissen relativiert oder sogar widerlegt werden kann.

Allein die äußeren Rahmenbedingungen eines Gesprächs können fragwürdig erscheinen: In einer Interviewsituation treten sich zwei Menschen gegenüber, die die Kluft der aufeinanderprallenden gegensätzlichen Themenbereiche so gut wie möglich miteinander verknüpfen müssen. Von außen festgelegten Gegenstandsbereichen stehen freien Assoziationen gegenüber. Des weiteren überblickt der Fragende während des Gesprächs eine bestimmte zeitliche Chronologie und fragt, trotz fehlenden Fragenkataloges, entlang einer entsprechenden Interviewplanung, auch wenn es sich um sogenannte freie Interviews handelt. Der Erzählende folgt statt dessen vielleicht anderen, für ihn bedeutenden Kriterien seines eigenen Lebenslaufes, beispielsweise seiner/ihrer Heirat, Krankheiten, Ortswechsel etc. Menschen erzählen ihre individuelle Geschichte, die vorher nicht zu Wort kamen. Dabei werden sehr oft keine neuen Erkenntnisse gewonnen, sondern nur bereits existierende Blickwinkel bestätigt. Das Produkt der ´Oral History´ kann somit oftmals, aber nicht immer, auch nur die persönlich betrachtete Geschichtsprojektion dessen sein, was in der Sache bereits bekannt ist.



4. ´oral history´ als möglichkeit für den schulischen unterricht

Es bleibt in der Bundesrepublik fast ausschließlich den öffentlichen Schulen überlassen, Jugendliche mit der Geschichte des Nationalsozialismus zu konfrontieren. Themenschwerpunkte und Zielsetzungen sind dabei durch Lehrpläne und Rahmenrichtlinien festgeschrieben. Nun ist es seit Ende der 60er Jahre der Anspruch einer an Demokratisierung und Emanzipation orientierten Theorie der politischen Bildung gewesen, Schülern unter besonderer Berücksichtigung des Gegenwartsbezuges geschichtliche Zusammenhänge kritisch zu vermitteln. Gegenstand der folgenden Ausführungen und Überlegungen soll jetzt die aus der in einschlägigen Publikationen beschriebenen Unterrichtspraxis gewonnene Überzeugung sein, daß mündlich überlieferte Erinnerungen sehr viel dazu beitragen können, historisches Lernen für SchülerInnen von der Primarstufe bis zum Abitur interessanter und lebendiger zu gestalten. Auch wenn diese Praxis vielerorts noch immer nicht zum Standardrepertoire alltäglichen Geschichtsunterrichts gehören mag, so ist sie inzwischen als Methode historischen Lernens doch weitgehend anerkannt. Und obwohl die Benutzung von Erinnerungsinterviews im Geschichtsunterricht bisher noch nicht umfassend systematisiert und elementarisiert worden ist, wird ihr Einsatz doch in immer mehr Lehrplänen empfohlen.

Zeitzeugenbefragungen stoßen in der Schule nicht nur deshalb auf positive Resonanz, weil sie eine willkommene Abwechslung und Motivation im täglichen Schulalltag sein können, sondern weil weitere relevante Gründe dafür sprechen:
´Geschichte´ begegnet SchülerInnen in solchen Gesprächssituationen unmittelbarer als im gewöhnlichen Geschichtsunterricht, in dem allgemein die Textarbeit mit Quellen und Darstellungen vorherrscht. Demgegenüber wirkt die direkte Begegnung mit Personen, die das damalige Geschehen miterlebt haben und die Bedeutungen für das eigene Leben schildern, sehr viel authentischer und faszinierender. Die unmittelbar rezipierte Darstellung der Erfahrungen und Lebensgeschichten älterer Menschen vermag jugendliche Zuhörer besonders zu fesseln, weil ihnen reale persönliche Lebenswege und Lebensabschnitte in ihrer Irreversibilität gegenübertreten. Nicht zu unterschätzen ist hierbei aber auch, daß bei Zeitzeugeninterviews zuweilen, mehr oder weniger unterschwellig, auch zwischenmenschliche Neugier und Voyeurismus eine Rolle spielen können.

Außerdem verlangen Zeitzeugenbefragungen von den SchülerInnen ein nicht unerhebliches Maß an Eigenaktivität und sind damit prädestiniert für einen handlungsorientierten Unterricht. Von den ersten Vorüberlegungen bis zur Auswertung und Präsentation der Ergebnisse ist eine ganze Reihe unterschiedlicher Arbeitschritte selbständig zu vollziehen. Es müssen Informationen zu dem Thema beschafft und aus ihnen Fragestellungen entwickelt werden. Kundige Zeitzeugen müssen gefunden werden. Zudem muß das Interview inhaltlich und methodisch vorbereitet, durchgeführt, dokumentiert und analysiert werden.

Zeitzeugeninterviews beziehen das außerschulische Leben in den Geschichtsunterricht ein: Verwandte, Bekannte, Nachbarn und andere Ortsangehörige können als Quellen fungieren. Dies trägt zur Öffnung der Schule bei und macht so erfahrbar, daß historisches Lernen unter Umständen dabei helfen kann, Mitmenschen und Mitbürger besser zu verstehen. Gleichzeitig dokumentieren Gespräche mit Zeitzeugen ein Interesse der Jüngeren an den Erfahrungen und Lebensumstände der Älteren und fördern so die Kommunikation zwischen den Generationen. Die Befragung von Zeitzeugen kann also dazu beitragen, andere Menschen in ihrer historischen Gewordenheit bewußter wahrzunehmen. Man sollte auch nicht vergessen, daß viele ältere Menschen oft auch von sich aus das Bedürfnis haben, anderen ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Parallel dazu werden heutzutage bei Darstellungen zeitgeschichtlicher Themen in den Medien sehr gerne Zeitzeugeninterviews benutzt, so daß die Schüler eine Brücke zwischen Unterricht und Alltag erfahren. In Kombination mit anderen Darstellungselementen beeinflussen die Medien in dieser Weise aber auch das Geschichtsbewußtsein der Zuschauer und Zuhörer in erheblichem Maße. Um solche Sendungen und Berichte (wie z.B. die von Guido Knopp) kritisch rezipieren zu können, sind grundlegende, im Schulunterricht zu vermittelnde Einsichten in die Entstehungsbedingungen und die Aussagekraft von Zeitzeugenberichten, wie ich bereits oben schon dargestellt habe, unumgänglich.

Den gerade geschilderten guten Gründen der erzählten Geschichte im Unterricht stehen jedoch auch einige ernstzunehmende Einwände gegenüber. Soll ´Oral History´ nicht nur folgenlose Abwechslung und Unterhaltung im Unterricht darstellen, müssen von der Lerngruppe zeit- und arbeitsintensive Vor- und Nachbereitungsstunden erbracht werden. Das hohe Maß an Eigenaktivität und Selbständigkeit, das ´Oral History´ erfordert, beschränkt sicherlich ihren Einsatz im alltäglichen Unterricht. Die SchülerInnen müssen sich einerseits so weit wie möglich mit der früheren Lebenssituation der Interviewten vertraut machen. Andererseits müssen ihnen die allgemeinen historischen Umstände, in die diese Situation eingebettet war, schon bekannt sein. Das Interview sollte sorgfältig vorbereitet, dokumentiert und ausgewertet sein. Ein Zeitzeugengespräch, das wissenschaftliche Standards annähernd erfüllen möchte, ist schon wegen des Zeit- und Arbeitsaufwandes im schulischen Rahmen nicht durchführbar. Auch die Zahl der Interviews, die geführt werden müssten, um eine halbwegs verlässliche Grundlage für verallgemeinernde Aussagen zu erhalten, übersteigt die schulischen Möglichkeiten bei weitem. Gravierender ist aber das Problem, daß Schülern mangels Lebenserfahrung und, selbst nach sehr guter Vorbereitung, die Sachkenntnis fehlt, um sowohl während des Interviews als auch danach, angemessen weiterführende oder zu vertiefende Ansatzpunkte zu entdecken. Außerdem sollten Geschichtslehrer natürlich auch selbst über Erfahrungen mit Zeitzeugenbefragungen verfügen. Jedoch gehören Vorbereitung, Durchführung und Analyse solcher Gespräche nicht zu den üblichen Inhalten der Geschichtslehrerausbildung. Weiterhin ist nicht zwingend gewährleistet, daß Schüler und auch noch Studenten es verstehen, die Würde und Integrität des Berichtenden zu wahren und zu akzeptieren. Vielen fehlt dafür die im Umgang mit Zeitzeugen so wichtige Sensibilität, die vor der Befragung von Lehrern und Dozenten eingefordert werden sollte.

´Oral History´ verlangt in jedem Fall ein Engagement, das weit über die gewöhnliche Bereitschaft zur Mitarbeit im schulischen Unterricht hinausgeht. Nicht zufällig werden ´Oral History´ - Vorhaben in den Schulen nur im Rahmen von Projektveranstaltungen durchgeführt. Eine weitere, oben bereits angesprochene Gefahr der ´Oral History´ - Methode in der Schule ist, daß SchülerInnen dazu neigen könnten, Aussagen und Meinungen der Zeitzeugen als durch unumstößliche Lebenserfahrung bezeugte Wahrheiten hinzunehmen und sie für glaubwürdiger zu halten als zum Beispiel Historikeraussagen oder Schulbuchdarstellungen.


4.1 historisches lernen anhand mündlicher überlieferung

Persönliche Erinnerungen sind die am meisten verbreitete, allerdings nicht die historisch fundierteste Form, in der vergangene Erfahrungen verarbeitet und überliefert werden. Trotz der jahrhundertelangen Dominanz der Schrift- und Lesekultur über das gesprochene Wort und trotz multimedialer Fürsorge auf allen Kanälen scheinen Kinder in der Regel immer noch zunächst in den von Eltern und Großeltern erzählten ´Geschichten´ erstmals in ihrer Lebenswelt auf tradierte Geschichte zu stoßen. Sie können so vor allem erfahren, welche Bedeutung Erwachsene vergangenen Ereignissen zumessen. Ein Geschichtsbewußtsein tritt Kindern dabei in seiner lebenspraktischen Grundform entgegen und kann ihr eigenes Geschichtsbewußtsein nachhaltiger als die schulische Geschichtssozialisation prägen.

In der Schule sollen und müssen in ´Oral History´ - Projekten aber die strengen Maßstäbe, die von der Wissenschaft zurecht gefordert werden, relativiert werden. Sie sollten statt dessen in eine umfassende Didaktik und Methodik eingebettet sein. Mündliche Überlieferungen können dabei im Geschichtsunterricht auf vielfältige Weise thematisiert werden. Fernerhin sollte man nicht davon ausgehen, alle methodischen Schritte der ´Oral History´ vollständig vollziehen zu müssen. Eine einfache Hausaufgabe, Verwandte und Bekannte zu ihrem Erleben bestimmter vergangener Zeiten und Geschehnisse zu befragen, kann schon einen wesentlichen Schritt in diese Richtung darstellen. Man könnte die Schüler z.B. später das Erzählte in Stichworten notieren und sie im Unterricht davon berichten lassen. Ein Lehrer könnte darüber hinaus mündliche Überlieferungen aber auch anhand aufgezeichneter Zeitzeugeninterviews in den Unterricht einfließen lassen. Die Möglichkeiten zur zufriedenstellenden Anwendung von ´Oral History´ sind also durchaus vorhanden und auch im praktischen Unterricht anwendbar, solange es ein gut vorbereiteter Lehrkörper versteht, auf die Probleme aufmerksam zu machen und Fallstricke zu umgehen.



5. fazit

Abschließend betrachtet, hat sich die Methode der ´Oral History´ ihren durchaus berechtigten Platz unter den Techniken relativ zeitnaher Geschichts- und Sozialforschung erstritten. Detailliert geplant, besonnen und kundig durchgeführt sowie kenntnisreich interpretiert, können Interviews und mündliche Darstellungen von historischen Ereignissen wichtige Erkenntnisse zu bestimmten Themenspektra der Sozial-, Politik- und auch Militärgeschichte liefern. Mit der nötigen Vorsicht betrachtet, kann der Forschende durch Techniken der ´Oral History´ zuvor gewonnene Forschungsergebnisse überdenken, bestätigen oder auch widerlegen, wobei in letzterem Fall nach wie vor die Analyse weiterer Quellen vonnöten sein wird. Spezielle Felder, wie z.B. Alltagsgeschichte oder die Geschichte unterer sozialer Schichten, können mit dieser Methode sogar eingehend erforscht werden, wenn man den Mangel an qualitativer Kompetenz der einzelnen Interviewpartner mit Quantität in Form von möglichst zahlreichen Befragungen ausgleicht, um Ergebnisse treffender fixieren und verallgemeinern zu können.

Für den Einsatz in Schulen und Universitäten eignet sich ´Oral History´ mit ihrem narrativen Charakter besonders zur Motivation und besseren Reflexion der jeweilig angesprochenen Zielgruppen, wobei die zwangsläufig verminderten Möglichkeiten einer wissenschaftlich relevanten Befragung der Zeitzeugen seitens der Zuhörergruppe durch intensive Vor- und Nachbearbeitungen der Gespräche gut ausgeglichen und didaktisch abgerundet werden können.



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(Sommer 2001)