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referat

 
alexander und die eroberung des
perserreiches von 334 bis 323

 

 

inhalt  
1. verlauf des zuges und der militärischen operationen

1.1 vorgeschichte: die zeit von der geburt bis zum perserfeldzug alexanders

356 - 337: Vorgeschichte
356
Alexander wurde als Sohn Philipps II. und der Olympias, einer Prinzessin aus Epeiros und Tochter des Molosserkönigs, ungef. am 20. Juli geboren.

Exkurs: Olympias und Philipp II.
Olympias, Tochter des Molosserkönigs Neoptolemos I., 375-316 v.Chr., heiratete 357/356 Philipp II., dem sie 356 Alexander den Großen und 355 Kleopatra gebar. Mit ihrer Hilfe wurde ihr Bruder Alexander I. 343/342 König der Molosser. Die Ehe Philipps mit einer anderen Makedonin führte zum Bruch mit Olympias, die nach Epirus ging und dort gegen den König intrigierte. Bei der Hochzeit der Tochter Kleopatra mit Alexander I. wurde Philipp ermordet; Olympias war zumindest als Mitwisserin daran beteiligt. Ränkevoll und herrschsüchtig, suchte sie während des Alexanderzuges Einfluß auf ihren Sohn und selbst mehr Macht zu gewinnen, scheiterte aber an Antipaters Treue und an Alexander, der seine Mutter nur zu gut kannte. Sie zog sich dann abermals nach Epirus zurück, wo sie und Kleopatra nach dem Tode Alexanders I. sehr bald wegen ihrer despotischen Herrschaft verhaßt waren. 317 unterstützte sie Polyperchon gegen Antipaters Sohn Kassander und gewann dank der Verehrung, die die Makedonen ihr als Mutter Alexanders stets entgegenbrachten, bald das Land für sich, ließ den jungen Philipp III. ermorden und ihren Enkel Alexander IV. zum König ausrufen. Ihrem Haß fielen jedoch viele Makedonen zum Opfer, so daß sich schließlich das Volk von ihr abwandte und Kassander zurückkehren konnte. Die makedonische Heeresversammlung verurteilte Olympias 316 zum Tode. Das Urteil wurde von Verwandten des Kassander vollstreckt, weil die Makedonen sich weigerten.

Philippos II., 382-336 v. Chr., seit 359 Regent, etwa seit 355 König von Makedonien, legte die Grundlage der makedonischen Vorherrschaft in Griechenland und schuf die Voraussetzungen für die Entstehung des Weltreiches seines Sohnes Alexanders III. (d. Gr.). Nach dem Vorbild Thebens, wo er sich als Geisel bei Epameinondas aufgehalten hatte, reorganisierte Philipp das makedonische Heer und konzentrierte seine Innenpolitik auf die Durchsetzung des politischen Zentralismus sowie die Sanierung der Finanzen. Mit Hilfe eines in sich gegliederten, schlagkräftigen Heeres (Fußvolk aus Bauern, Reiterei aus dem Adel) führte er eine aggressive Außenpolitik durch, die den Interessen der makedonischen Sklavenhalter- und Kaufmannsschicht entgegenkam. Durch die Eroberung Thrakiens brachte er große Gold- und Silbervorkommen in seine Hand (Goldmünzenprägung, sog. Philippeioi), mit denen er seine weiteren militärischen Unternehmen finanzierte. Da während seiner Regierung das Agrarland Makedonien Anschluß an die fortgeschrittene ökonomische Entwicklung der anderen griechischen Staaten sowie an den Seehandel suchte, kam es zu Konflikten vornehmlich mit Athen und dessen Verbündeten, den zum Attischen Seebund gehörenden thrakischen Küstenstädten. Mit geschickter Diplomatie, Bestechung und mit eindeutiger militärischer Überlegenheit gelang es Philipp, sich seit 357 der an Rohstoffen reichen thrakischen Küste von Pydna bis zum Hellespont zu bemächtigen, 352 Thessalien zu erobern, 352 die Thermopylen zu besetzen (Kontrolle über Mittelgriechenland), 348 Olynthos zu zerstören, 343 mit Persien zu paktieren und 340 Byzanz zu belagern. Wegen dieser Erfolge sah ein Teil der griechischen Sklavenhalter in Philipp den "Ordnungsstifter", der der griechischen Kleinstaaterei ein Ende setzen und den Krieg gegen Persien beginnen könnte, um Griechenland aus der krisenhaften sozialpolitischen Entwicklung herauszuführen (Isokrates und Aischines als Vertreter des Panhellenismus). Im Gegensatz dazu erblickten die antimakedonischen Kreise in Philipp den Todfeind politischer Unabhängigkeit und Freiheit Griechenlands und befürchteten den Verlust des einträglichen Schwarzmeerhandels (Wortführer: Demosthenes mit seinen Philippischen [Philippika] und Olynthischen Reden). Doch Uneinigkeit führte zu keiner geschlossenen Abwehrfront gegen Philipp, der 339 Amphissa zerstörte und die Koalition unter Athens Führung 338 bei Chaironeia vernichtend schlug. Nach einem maßvollen Frieden wurde Philipp 337 auf einem allgriechischen Kongreß in Korinth der Oberbefehl für den "Rachefeldzug" gegen Persien übertragen. Während der Kriegsvorbereitungen wurde er 336 ermordet.

352
Der Bund der Thessaler wählte Philipp zum Archon.

343
Alexander wurde bis 340 Schüler des Aristoteles.

340
Alexander bekleidete als Stellvertreter Philipps seine erste Statthalterschaft in Makedonien. Philipp selbst belagerte Byzantion und Perinthos. Athen erklärte Philipp den Krieg.

339
Philipp hob die Belagerung von Byzantion auf, führte einen Angriff gegen Thrakien und eine Strafexepedition gegen Amphissa. Elateia wurde ebenfalls besetzt.

338
Philipp zerstörte Amphissa und siegte am 2. August über die Griechen bei der Schlacht von Chaironeia, in der sich Alexander erste militärische Meriten erwarb, indem er den Angriff führte, der die Elitetruppen Thebens vernichtete. Danach kam es im Herbst zum Abschluß eines allgemeinen Friedens und zur Gründung des Korinthischen Bundes unter makedonischer Führung (hegemon ton hellenon). Dieser Bund (koine eirene) war angelegt als eine Friedensgenossenschaft zur Sicherung des inneren und äußeren Friedens.
(Die Zeit um 338 wird in der modernen Forschung als ein Eckdatum des Epochenübergangs von der spätklassischen Zeit Griechenlands zum Hellenismus gesehen.)

337
Das Beschlußorgan (synedrion) des Korinthischen Bundes unter Philipp II. als Bundesfeldherrn (strategos autokrator) erklärte Persien im Frühjahr den Krieg wegen der Zerstörung der griechischen Heiligtümer im großen Perserkrieg von 480. Vermutlich dachte Philipp als pragmatischer Politiker nur an die Eroberung Kleinasiens. Die Hochzeit Philipps mit Attalos´ Nichte Kleopatra im Sommer gefährdete Alexanders Nachfolge und führte schließlich zum Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn. Als Folge davon wurden Alexander und viele seiner Freunde verbannt.

336 - 335: Alexander und die Politik in Griechenland und in den makedonischen Randgebieten
336
Beginn des Perserfeldzuges mit einem Vorauskommando unter Parmenion und Attalos in Kleinasien (Frühjahr). Im Herbst wurde Philipp bei der Hochzeit seiner Tochter Kleopatra von Pausanias ermordet. Die Heeresversammlung wählte daraufhin den jungen Prinzen Alexander auf Vorschlag des Antipatros zum neuen König Alexander III. und damit zum Archon der Thessaler und zum Hegemon des Korinthischen Bundes. Alexander galt bei vielen Makedoniern aber als Bastard und nur bedingt zur Herrschaft legitimiert. Daher festigte er zunächst seinen Thron, indem er in kurzer Zeit Verwandte und andere Adlige (u.a. seinen Rivalen Amyntas) mit Thronanspruch ermorden ließ. Parmenion, der bedeutende Feldherr Philipps, ließ seinen Schwiegersohn, Kleopatras Onkel, umbringen und trat zu Alexander über.

335
Alexander zog im Frühjahr mit unerwarteter Schnelligkeit gegen die aufständischen Illyrer, Triballer, Geten, Kelten und Thraker und unterwarf sie. Damit war das Reich nach Norden bis zur Donau gesichert. Außerdem diente der Zug wohl auch als Training für seine Truppen und deren Offiziere. Im Herbst nahm er das revoltierende Theben ein und ließ es als Exempel schleifen. Die Einwohner ließ Alexander töten oder als Sklaven verkaufen. Die restlichen aufständischen Städte (z.B. Athen) wurden aber aus politischen Gründen mit Milde behandelt.


1.2 der alexanderzug vom beginn des perserfeldzuges 334
bis zum tode alexanders 323


334 - 333: Die Eroberung Kleinasiens
334
Mit Beginn des Jahres 334 trat Alexander, nachdem er seinen Vertrauten Antipatros mit der Leitung der Angelegenheiten in Makedonien und Hellas betraut hatte, den konkret schon seit 337 von seinem Vater Philipp vorbereiteten Feldzug gegen die Perser an. Als Oberhaupt des Korinthischen Bundes wollte er vordergründig Rache nehmen für die Zerstörung der griechischen Heiligtümer durch die Perser. Weitere offizielle Begründungen, wie die Befreiung der asiatischen Griechen und die Einigung Griechenlands unter dem besonders von Isokrates propagierten Ideal des Panhellenismus, sind ebenfalls anzunehmen. Wahrscheinlich wurde er darüber hinaus auch von Abenteuer- und Eroberungslust in Anlehnung an die homerischen Epen, persönlichem Ruhmesstreben und Möglichkeiten zur Bereicherung angetrieben. Alexander führte ein Heer von ca. 5.500 Kavalleristen und ungef. 32.000 schwerbewaffneten Fußsoldaten mit sich, darunter 12.000 makedonische Hopliten, 7.000 Fußsoldaten der griechischen Bundesgenossen, etwa 7.000 Söldner mit verschiedener Bewaffnung und ca. 6.000 Mann Spezialtruppen der Balkanstämme. Obwohl die Armee aus erfahrenen und wohlausgebildeten Kämpfern bestand, war ihre Gesamtzahl daher in bezug auf die ungeheure Macht, die es zu bekämpfen galt, sehr gering bemessen - ein Indiz für die Vermutung, daß zunächst nur gegen Kleinasien gezogen werden sollte. Auch die finanzielle Ausstattung Alexanders erlaubte im Grunde genommen keinen größeren Kriegszug.
Dennoch überschritt Alexander den Hellespont und fiel in persisches Hoheitsgebiet ein, nachdem er mit einem Lanzenwurf auf das Gebiet des Dareios den juristisch erforderlichen Akt für speererworbenes Land vollzogen hatte. Mit einer symbolischen Handlung, dem Sprung vom Schiff in voller Rüstung, stellte er darüber hinaus wieder eine Bezug zu den homerischen Helden vor Troia her. Aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen mit Truppen Philipps in den vorangegangenen Jahren waren die Perser allerdings auf einen erneuten griechischen Angriff vorbereitet. Zwar wurden die Griechen nicht bei dem Versuch, den Hellespont zu überqueren, von den Persern gehindert - wohl, weil die makedonischen Besitzungen Abydos und Rhoiteion den Übergang erleichterten -, aber ungeachtet dessen standen im Nordwesten Kleinasiens kampferprobte persische Truppen bereit. Der Rhodier Memnon hatte schon erfolgreich gegen die makedonischen Feldherren Parmenion und Kalas gekämpft und wollte Alexander mit einer Strategie der verbrannten Erde die Operationsbasis entziehen. Darüber hinaus hatte er vor, den Krieg nach Griechenland hinüberzutragen, um sich dort mit makedonenfeindlichen Städten zu verbünden und eine Offensive gegen Makedonien und seine Bündner zu beginnen. Die ihm zur Seite stehenden persischen Feldherren verwarfen diesen Plan allerdings im Vertrauen auf ihre Reiterei und suchten die offene Feldschlacht mit Alexander. So kam es im Mai am Flusse Granikos zum Treffen der beiden Heere, und es entwickelte sich im wesentlichen eine Schlacht zwischen den Kavallerieeinheiten. Persische Fußsoldaten waren nicht am Kampf beteiligt, wohl aber griechische Söldnerkontingent der Perser, die fast völlig aufgerieben wurden. Alexander führte seine Truppen an der Spitze zum Sieg und wurde dabei von seinem Freund Kleitos aus einer lebensbedrohlichen Situation gerettet.
Als Folge dieses Sieges, den der Makedonenkönig selbst als einen Sieg des Korinthischen Bundes unter seiner Führung über die Barbaren bezeichnete, fiel Alexander fast das gesamte Kleinasien zu. Bedeutenden Widerstand setzen ihm nur noch die griechischen Söldner dieser Region entgegen, die für ihre eigenen Zwecke und um ihr Überleben fochten und sich nicht der makedonischen Hegemonie unterwerfen wollten. Sardes ergab sich kampflos. Alexander organisierte die Verwaltung vom hellespontischen Phrygien und Lydien neu und ersetzte in zahlreichen griechischen Städten, z.B. in Ephesos, die perserfreundlichen Oligarchien durch dem Bund verpflichtete Demokratien. Milet konnte er erst nach heftigem Widerstand der Söldner einnehmen, wobei es entscheidend war, daß Alexander seine Flotte infolge persischer Unachtsamkeit bei der Insel Lade stationieren konnte und so Milet von der Kommunikation mit der persischen Flotte abschnitt. Die Seeschlacht mit der überlegenen persischen Flotte nahm Alexander jedoch nicht an. Es fehlten ihm die Mittel und das Material für einen aussichtsreichen Kampf, so daß er sich entschloß, die Flotte aufzulösen. Damit hatte er außerdem die Gefahr des Überlaufens der als unzuverlässig geltenden griechischen Flottenbündner gebannt. Das Hauptbollwerk des Widerstandes gegen die Makedonier bildete schließlich Halikarnassos, wo Memnon selbst, der inzwischen den Oberbefehl über sämtliche Truppenkörper in Kleinasien erhalten hatte, das Kommando führte. Erst nach einer langen und schwierigen Belagerung nahm Alexander die Stadt bis auf zwei vorläufig dem Gegner verbleibende Burgen ein. Die Satrapie Karien gab er nun der dem karischen Dynastengeschlecht angehörenden Fürsten Ada, deren Entgegenkommen ihm die Eroberung von Karien sehr erleichtert hatte.
Der Marsch nach Lykien und Pamphylien, den er nun weiter unternahm, nachdem er Parmenion mit einem großen Teil der Reiterei und den Bundesgenossen nach Phrygien vorausgesandt hatte, diente wohl dazu, nach der Eroberung der ganzen Meeresküste den Feinden die Grundlage für die Verwendung ihrer Flotte zu nehmen. Alexander gewann zunächst die Städte des Xanthostales für sich, zog dann im Winter in die inneren Hochlande, die Landschaft Milyas, und unterwarf die übrigen lykischen Städte. Von da wandte er sich durch das Tal des Arykandos zur Südküste nach Phaselis und marschierte von hier aus an der Küste die sog. Klimax entlang nach Norden. Über das Verhältnis der Lykier zu Alexander wissen wir aber leider nichts Genaues. Lykien und das daran angrenzende, ebenfalls unterworfene Pamphylien wurden von Alexander unter den Satrapen Nearchos gestellt. Danach zog Alexander weiter nach Pisidien, wo er mit der Stadt Perge ein Bündnis einging und Sagalassos mit Gewalt nahm. Anschließen marschierte er durch das nun von seinem Satrapen Antigonos verwaltete Phrygien zum Überwintern nach Gordion, wo sich schließlich im Frühjahr 333 die aus Makedonien neu zugeführten Truppen mit ihm vereinigten. In Gordion löste Alexander den berühmten gordischen Knoten, wodurch er in den Augen der Phryger gemäß einem alten Orakel eine Legitimation seiner Herrschaft erhielt.

333
Unterdessen hatte Memnon in Ausführung seines Kriegsplanes wichtige Unternehmungen im ägäischen Meer begonnen, die wegen der gespannten Stimmung in Hellas eine große Gefahr für Alexander beinhalteten. Memnon hatte Chios und fast ganz Lesbos gewonnen, fiel aber im Mai bei der Belagerung von Mytilene. Das war ein schwerer Schlag für Dareios III., der sich jetzt gezwungen sah, selbst die Offensive gegen Alexander zu leiten. Zunächst konnten die Perser mit ihrer Flotte noch weitere Erfolge gegen Alexander verbuchen, indem sie Mytilene und das strategisch wichtige Tenedos einnahmen und dort die ursprünglichen Verhältnisse wiederherstellten. Alexander reagierte darauf, indem er die Reorganisation seiner Flotte verfügte und seinem Statthalter Antipatros in Hellas und Makedonien Rüstungen zum Schutze Griechenlands und der makedonischenVorherrschaft auftrug.
Von Gordion aus zog Alexander weiter nach Ankyra, wo er die Unterwerfung der Paphlagonier entgegennahm, die ebenfalls dem Satrapen vom hellespontischen Phrygien unterstellt wurden. Danach setzte er seinen Marsch durch Kappadokien, welches einen Einheimischen als Satrapen erhielt, nach Kilikien fort. In Tarsos mußte er aufgrund einer schweren Krankheit verweilen, er sandte aber seinen bewährten Heerführer Parmenion zur Besetzung der kilikisch-syrischen Tore am Golf von Iskenderun voraus. Alexander selbst wandte sich nach seiner Genesung nach Westen gegen die Bewohner von Kilikia Tracheotis und übergab die Satrapie von Kilikien bald darauf dem Balakros, der wohl die Unterwerfung der kilikischen Bergvölker weiterführen sollte.
Dareios hatte unterdessen ein großes Heer gesammelt und jenseits des Amanos bei Soloi auf einer ausgedehnten Ebene aufgestellt. Er machte aber den gleichen Fehler wie seine Feldherren am Granikos und verließ im blinden Vertrauen auf seine Überlegenheit diese günstige Stelle, um durch den amanischen Paß in die schmale Küstenebene von Issos zu marschieren. Alexander war derweil im Begriff, Dereios durch die kilikisch-syrischen Tore zu seiner ursprünglichen Stellung entgegenzuziehen, als er von dessen Stellungswechsel direkt in seinen Rücken hinein erfuhr. Auf diese Kunde hin machte er umgehend kehrt und lieferte dem Perserkönig im November die Entscheidungsschlacht. Dabei kämpfte Alexander wie gewohnt selbst mit großer Energie inmitten seiner Truppen und fügte Dareios eine vernichtende Niederlage zu, bei der auch wichtige Familienmitglieder des Großkönigs in seine Hände fielen, während Dareios flüchten konnte. Unmittelbar darauf wandte er sich zwar mit einem Angebot zu Verhandlungen an Alexander, wurde jedoch zurückgewiesen. Die Vermutung liegt nahe, daß Dareios lediglich Zeit gewinnen wollte, weil sich ein Arrangement mit Alexander mit seinem Selbstverständnis als persischer Gottkönig und mit den Erwartungen des persischen Hochadels keinesfalls vereinbaren ließ.
Alexander sandte nun Parmenion nach Damaskos, um dort die reichen Schätze in Besitz zu nehmen, betraute Menon mit der Satrapie von Syria Koile und wandte sich selbst der phönikischen Küste zu, um dieses für die Entfaltung der maritimen Kräfte der Perser so wichtige Gebiet zu okkupieren.

332 - 330: Eroberung des vorderen Orients und Ägyptens
332
Die bedeutendsten Städte, wie Arados, Byblos oder Sidon, ergaben sich ihm ohne großen Widerstand, und die Folgen davon zeigten sich bald darauf nach der Einnahme von Tyros und der Unterwerfung des gesamten Küstengebietes, indem die Flotte der phönikischen Seestädte und der kyprischen Könige die Perser verließ und zu Alexander überging. Die Belagerung von Tyros nach gescheiterten Unterhandlungen aufgrund religiös-politischer Unstimmigkeiten gestaltete sich als sehr schwer und zog sich über sieben Monate hinweg bis in den August hinein. Aber die verweigerte Unterwerfung hatte Alexanders unbändigen Zorn hervorgerufen, und er war fest entschlossen, an der Stadt ein Exempel zu statuieren. Nach der Eroberung traf die Stadt ein hartes Strafgericht: 8.000 Männer wurden in den Straßen ermordet, 2.000 vor der Stadt gekreuzigt. 20-30.000 Frauen und Kinder wurden in die Sklaverei verkauft und die Mauern des so einst wichtigen Handelszentrums geschleift.
Kurz vor der endgültigen Eroberung Tyros´ hatte Dareios ein weiteres Friedensangebot an Alexander gesandt, in dem der König dem Makedonenherrscher das Land bis zum Euphrat abtreten wollte. Alexander lehnte jedoch ab, denn er wollte nun - wie man aus seinem bei Arrian überlieferten Brief deutlich entnehmen kann - das gesamte Perserreich zu erobern. Bisher hatte er im wesentlichen Landschaften und Völker gewonnen, die durch geschichtliche Entwicklungen und Kultur in naher Beziehung zu Hellas standen, nun galt es für ihn, die eigentlichen Kernlande des persischen Reiches (Mesopotamien, Persis und Medien) anzugreifen.
Von Tyros aus wandte sich Alexander aber zunächst südwärts durch Palästina nach Ägypten und überwandt nach zweimonatiger Belagerung den Widerstand der wichtigen Stadt Gaza. Der Statthalter wurde von Alexander hinter seinem Wagen zu Tode geschleift, wie einst Hektor von Achilles. Ägypten stand weniger im unmittelbaren Zusammenhang mit der Bekriegung des Perserreiches, vielmehr hatten die Gegner Alexanders in diesem Land eine weitere Operationsbasis und deren Flotte dementsprechend Stützpunkte. Außerdem reizte das Prestige, welches dem makedonischen König aus der Unterwerfung des Pharaonenreiches erwachsen mußte. Da allerdings der Satrap von Ägypten mit seinen Truppen an der Schlacht bei Issos teilgenommen hatte, fand Alexander in Ägypten keinen nennenswerten Widerstand mehr vor, zumal auch die Antipathie der Bevölkerung gegenüber den persischen Besatzern die Okkupation zusätzlich erleichterte. Alexander marschierte nach Pelusion, wo er seine Flotte traf, dann weiter nach Memphis und nilabwärts zur kanobischen Mündung.

Exkurs: Warum zog Alexander nach Ägypten und verfolgte nicht Dareios?
Ägypten war sehr reich an Getreide und Edelmetallen, und Alexander benötigte ständig Mittel zur Fortführung des Krieges. Außerdem konnte er nun die neu dazugewonnenen griechischen Küstenstädte mit nötigen Nahrungsmitteln versorgen. Er hatte drüber hinaus mit wohlwollender Aufnahme in Ägypten zu rechnen, welches ihn als Befreier von den Persern feierte und in die Herrscherliste der Pharaonen als Herr über Ägypten eintrug. Weiterhin konnte er es sich nicht leisten, einen Gegner im Rücken zu belassen. Seine Generäle, die noch im Sinne Philipps an eine Eroberung Kleinasiens dachten, schienen zunächst auch nicht direkt nach Persien gewollt zu haben. Daher mußte Alexander seine Soldaten zunächst, wie auf dem ganzen Zug, beeindrucken. Ägypten war nämlich bei den Griechen (weniger bei den Makedonen) nach wie vor ein hochverehrtes Land, das zu besuchen per se erstrebenswert war. Mit einem raschen Gegenangriff des Dareios war aufgrund der schweren Niederlage bei Issos vorläufig ohnehin nicht zu rechnen. So konnte auch Alexander seinem Heer in Ägypten eine Ruhephase gönnen und Verstärkungen zuführen. Wäre er Dareios direkt gefolgt, hätte er den Tigris mit nur ca. 30.000 Mann überschreiten müssen, während er mit dieser Strategie bei Gaugamela ungef. 47.000 Mann zur Verfügung hatte. Strategisch war die Einnahme Ägyptens und seiner Flottenstützpunkte ebenfalls nicht unbedeutend, denn den Persern konnten weitere potentielle Flottenstützpunkte entzogen werden, so daß sie an der östlichen Mittelmeerküste keine festen Operationsbasen mehr besaßen. In Anbetracht des als weitgehend authentisch zu bewertenden Briefwechsels zwischen Dareios und Alexander ist als ein Hauptgrund für den Zug nach Ägypten jedoch die Herrschaftsnachfolge des Perserkönigs zu konstatieren. Nach dem Sieg bei Issos und der Kommunikation mit Dareios hat möglicherweise eine Verschiebung in den Zielvorstellungen und in der Selbsteinschätzung Alexanders stattgefunden, die den Makedonenkönig bewog, vor dem Einfall in das zentrale Asien zunächst die Randsatrapien am Mittelmeer zu bereisen und sich dort als legitimer König des persischen Reiches anerkennen zu lassen. Eine Eroberung des gesamten Reiches ging weit über den ursprünglichen Feldzugsplan hinaus und erforderte von Alexander, das Organisationsdenken der Perser zu übernehmen.

Die Unterwerfung der östlichen Küstenländer des Mittelmeeres erhielt nun noch ihre Vollendung dadurch, daß jetzt auch im Gebiet des ägäischen Meeres die von den Persern eingesetzten Regierungen erneut gestürzt und dadurch der makedonische Einfluß wiederhergestellt worden war (z.B. auf Tenedos, Lesbos, Chios, Kos u.a.). Alexander konnte jetzt seine Flotte, die auch dem Seeräuberunwesen in der Ägäis erfolgreich entgegengetreten war, verwenden, um den in der Peloponnes von Sparta und seinem aufständischen König Agis III. drohenden Gefahren zu begegnen.

331
Am See Mareotis gründete Alexander die Stadt Alexandria (332: Badian, Kaerst / 331: Gehrke). Er zog danach über Paraitonion weiter zum Heiligtum des Zeus Ammon in der Oase Siwa, wo ihn die Priester für den Sohn des Gottes erklärten. Damit wurde Alexander göttlich legitimiert für eine neue Politik und Weltstellung, die ihn weit über die Grenzen des makedonischen Königtums und die Stellung des Oberhauptes des Korinthischen Bundes hinaushob.
Nachdem Alexander in Memphis zahlreiche Unterhandlungen geführt und Verstärkungen in sein Heer eingegliedert hatte, ordnete er die Verwaltung Ägyptens neu, indem er die wichtigsten Funktionen auf verschiedene Personen verteilte, Besatzungstruppen zurückließ und verfügte, die einheimischen Institutionen möglichst schonend zu behandeln. Im Frühjahr trat er schließlich den Marsch gen Norden an, dem Dareios entgegen, der inzwischen in seinen östlichen Satrapien ein neues, großes Heer gesammelt hatte.
Alexander erreichte, nachdem er in Phönikien die Verhältnisse der westlichen Provinzen zum Teil neu organisiert hatte (z.B. die Zentralisation der Steuerverwaltung), im Sommer den Euphrat bei Thapsakos, überschritt den Fluß ungehindert, gelangte dann widerstandslos zum Tigris, überquerte auch diesen gefährlichen Strom ungehindert und traf schließlich Dareios in der Ebene zwischen Mosul und Erbil. Hier kam es am 1. Oktober zur Entscheidungsschlacht bei Gaugamela. Der Sieg wurde hauptsächlich wieder von den Kerntruppen um Alexander herum entschieden, während Parmenion auf dem linken Flügel einen hartnäckigen Angriff der persischen Reiterei zu bestehen hatte. (Eine detaillierte Beschreibung der Schlacht findet sich in Teil 3.) Dareios floh nach Medien, um von hier aus die Verbindung mit den östlichen Provinzen seines Reiches zu gewinnen, indem er Alexander als Siegespreis Babylonien und die angrenzenden Landschaften überließ. Babylon wurde von Mazaios kampflos übergeben, der dafür die ganze Satrapie übertragen bekam - allerdings ohne militärisches Kommando und das Recht, Tribute einzufordern. In Babylon hielt sich Alexander einige Zeit auf und ermöglichte seinen Truppen somit eine Erholungsphase, die er selbst dazu benutzte, die Bevölkerung für sich zu gewinnen. Antipatros besiegt währenddessen die aufständischen Spartaner bei Megalopolis, wobei Agis III. fiel.
Von Babylon aus zog Alexander nach Susa weiter und organisierte auch hier die Verwaltung nach dem babylonischen Prinzip: Vergabe der Satrapie an einen Einheimischen unter makedonischer Kommando- und Steuergewalt. Den reichen Staatsschatz der Achaimeniden nutzte er zur Anwerbung von neuen Truppen und zur wirtschaftlichen Unterstützung der griechischen Welt.

330 - 327: Die Eroberung Zentralpersiens
330
Nach Verstärkungen aus Griechenland marschierte Alexander nach Persis, unterwarf auf dem Weg die Uxier und sandte Parmenion mit einem eigenen Heer über die große Winterstraße, während er selbst den näheren Weg über das Gebirge einschlug und, nach einem erbitterten Gefecht mit dem Satrapen von Persis, Ariobarzanes, in die Stammlande des persischen Reiches einfiel. In Persepolis zerstörte er die Königsburg, vielleicht als Rache für die Zerstörung der griechischen Heiligtümer im Perserkrieg und als Symbol für das Ende der achaimenidischen Herrschaft, vielleicht aber auch nur aus einem übereilten Affekt heraus. Den Rachekrieg des Korinthischen Bundes sah er nun als beendet an und entließ die Bundeskontingente in die Heimat. Griechische Truppen behielt er nur noch als Söldner in seinen Diensten. Antipatros´ Sieg über Agis sicherte Alexanders Herrschaft in Griechenland und trug dazu bei, ihn von der Rücksicht auf die Hellenen unabhängiger zu machen. Die Makedonen sahen den Krieg ebenfalls als beendet an, wurden jedoch von Alexander für die Fortsetzung des Krieges gewonnen. Alexander sah sich inzwischen nicht mehr nur als Hegemon des Korinthischen Bundes, sondern als neuer Herrscher in Persien. Die noch nicht unterworfenen östlichen Provinzen und der sich auf der Flucht befindende Dareios erforderten weiteres Handeln zur Sicherung und Legitimation dieser außerordentlichen Machtstellung.
Inzwischen hatte Dareios in Ekbatana, der Hauptstadt Mediens, sein Hauptquartier aufgeschlagen und plante, sich bei einem Angriff Alexanders nach Osten zurückzuziehen und diesem mit verbrannter Erde die Verfolgung zu erschweren. Nach vier Monaten Aufenthalt brach Alexander wieder auf und fiel über Gabai in Medien ein. Dort erfuhr er, daß Dareios sich auf dem Rückzug befände und nicht vorhabe, ihm entgegenzutreten, und marschierte unbehelligt in Ekbatana ein. Die Verwaltung Mediens überließ er wieder einem Perser mit makedonischen Beratern.
Als er Rhagai passiert und die kaspischen Tore erreicht hatte, erfuhr er, daß Dareios von aufständischen Befehlshabern, namentlich von Bessos, dem Satrapen von Baktrien, gefangengenommen worden sei. Auf diese Kunde hin eilte Alexander in Eilmärschen dem fliehenden Großkönig hinterher, er erreichte Dareios jedoch nicht mehr, da dieser von den Meuterern zurückgelassen und im Juli in der Nähe von Hekatompylos ermordet worden war. Alexander, der inzwischen gegenüber den Orientalen als neuer Großkönig auftrat, mußte den Usurpator Bessos für diese Tat zur Rechenschaft ziehen.
Alexander nahm nun zunächst die Unterwerfung von Hyrkanien und den anderen Landschaften am Südufer des kaspischen Meeres entgegen, übertrug auch diese Provinzen einheimischen Satrapen und trat, nach einem erfolgreichen Zug gegen das kriegerische Bergvolk der Marder, die Verfolgung des Bessos an, der sich inzwischen zum neuen Großkönig Artaxerxes V. ausgerufen hatte. Er zog durch das Gebiet der Parther über Susia an der Grenze von Areia entlang in Richtung Baktrien, als er von der Nachricht, daß der Satrap von Areia von ihm abgefallen sei, gezwungen wurde, in die Provinz Areia einzumarschieren, wo er u.a. mehrere strategisch wichtige Städte gründete. In Phra, der Hauptstadt Areias, nahm Alexander die Möglichkeit wahr, sich von der Macht Parmenions zu befreien, der noch in Ekbatana verweilte und den dortigen Staatsschatz bewachte. Parmenion war neben Alexander der mächtigste Mann unter den Makedoniern. Bei den weiten Entfernungen und dem Einfluß Parmenions war es für Alexander bei Zweifel an dessen Loyalität sicherer, ihn und seinen Sohn beseitigen zu lassen. Der Hofhistoriker Kallisthenes hatte ihn darüber hinaus schon als schlechten Ratgeber und Feigling bei Gaugamela geschildert, und Parmenions Nähe zur Tradition Philipps barg für Alexander ein wachsendes Konflikt- und Unmutspotential, zumal auch sein Sohn Philotas, der Kommandeur der Hetairenreiterei, Alexanders Benehmen ebenfalls schon in Ägypten mißbilligt hatte. Philotas beging nun den Fehler, eine Verschwörung nicht rechtzeitig an Alexander zu melden und wurde von diesem wegen Hochverrats vor dem Heer angeklagt und sofort hingerichtet. Um eine Konfrontation mit Parmenion und dessen Heer zu vermeiden, sandte Alexander daraufhin Eilboten nach Ekbatana, die seinem Untergebenen Kleandros den Befehl übermittelten, Parmenion sofort zu töten. Kleandros zögerte nicht und kam dem Befehl nach. Das Kommando des Philotas teilten sich nun die Alexandergetreuen Hephaistion und Kleitos, denn übermächtige Kommandeure sollte es zukünftig nicht mehr geben. Auch andere an dieser Verschwörung gegen Parmenion beteiligte Anhänger Alexanders (Perdikkas, Krateros, Koinos etc.) avancierten rasch zu hohen Befehlshabern, aber dennoch wirkten diese Ereignisse sehr beunruhigend auf die Stimmung des Heeres.
Alexander durchzog danach die Drangiane, empfing die Unterwerfung von Gedrosien und gelangte weiter durch Arachosien (Kandahar/Alexandreia Quandahar - Ghasni/Alexandreia) nach Kabura (Kabul) in das Gebiet der Paropamisaden am Hindukusch. Die Ländereien unterstellte er wieder einheimischen Satrapen unter makedonischer Kontrolle, wobei er allerdings Arachosia und Areia komplett der makedonischen Herrschaft unterstellte. In Paropamisos überwinterte er und gründete erneut eine Stadt mit seinem Namen in der Nähe von Kabul.

329
Obwohl Bessos die Ländereien nördlich des Hindukusch stark verwüstet hatte, marschierten die Makedonen unter größten Beschwerden über einen der östlichen Hindukuschpässe nach Baktrien ein. Alexander übertrug die Provinz Baktrien dem Perser Artabazos und überschritt dann den Oxos (Amu-Darja) in der Nähe des heutigen Kilif. Bessos, von dem sich inzwischen seine Mitverschwörer abgewandt hatten, wurde gefangengenommen und von Alexander nach Baktra gesandt, wo er später von einem persischen Gerichtshof als Hochverräter zum Tode verurteilt wurde. Die Hinrichtung erfolgte in Ekbatana. In Sogdiane, der nordöstlichsten Landschaft des Perserreiches, gewann Alexander außer der Hauptstadt Marakanda eine Reihe von festen Plätzen. Um den angrenzenden, nomadischen Stämmen, den Massageten, Skythen u.a., die wiederholt Aufstände gegen Alexander unterstützt hatten, seine Macht zu zeigen, überschritt er den Jaxartes und führte einen erfolgreichen Angriff gegen die Barbaren. Um die Region danach gegen weitere Einfälle der Nomaden abzusichern, gründete er im Grenzgebiet die Stadt Alexandreia Eschate, deren Name andeutet, daß sich Alexander in diesem Gebiet am Rande der Ökumene wähnte.
Unterdessen kam es unter der Leitung des Sogdianers Spitamenes zu zunächst erfolgreichen Aufständen gegen die makedonische Herrschaft, die Alexander zwangen, sich selbst diesem Widersacher zuzuwenden. Er durchzog und unterwarf das Gebiet um den Polytimetos herum bis Baktra und überwinterte dort, ohne jedoch Spitamenes stellen zu können.

328
Nach der Auffrischung seiner Truppen in Baktra zog Alexander wieder zurück nach Marakanda und rastete dort außergewöhnlich lange. Die Gegensätze zwischen ihm und seinen noch in der Tradition Philipps stehenden Generälen und Unterführern verschärften sich zusehends und führten schließlich zu einem heftigen Wutausbruch Alexanders, bei dem er seinen loyalen Freund und Lebensretter Kleitos ermordete, der Alexanders Vater Philipp zu sehr gelobt hatte. Die weitreichenden und tiefgehenden Konflikte, die mit seinen makedonischen Untertanen aufgrund einer Übertragung der orientalischen Unterwürfigkeit und Lebensweise auf die Makedonen verstärkt aufflackerten (vor allem die Proskynese: Verehrung, Fußfall), wurden mit gnadenloser Gewaltanwendung gegen alle innenpolitischen Gegner, auch wenn es sich um langjährige Freunde (z.B. Kallisthenes) handelte, beantwortet.
Die Winterrast 328/27 fand im nahegelegenen Naukata statt, nachdem Alexander seinen Gegner Spitamenes besiegt hatte. Die östlichen Satrapien wurden, mit Ausnahme vom vereinigten Baktrien/Sogdiane, zum Teil mit neuen einheimischen Verwaltern besetzt.

327 - 326/25: Indienfeldzug
327
Anfang des Jahres 327 gelang es Alexander endlich, die letzten aufständischen Trutzburgen in Sogdiane einzunehmen und das Gebiet zu beruhigen. Auf einer derselben, der Burg des Arimazes, befand sich der Baktrier Oxyartes mit seiner dreizehnjährigen Tochter Roxane, die Alexanders Gemahlin wurde. Danach gründete Alexander wieder eine Reihe von Städten in Sogdiane und den benachbarten Gebieten, um seine Herrschaft dauerhaft zu sichern. Dann marschierte er wieder nach Baktra, um Vorbereitungen für seinen indischen Feldzug zu treffen.
In diese Zeit fällt die Verschwörung des Hermolaos, in welche der Philosoph Kallisthenes von Olynth, der langjährige Begleiter Alexanders und Verwandter des Aristoteles, mit tödlichen Folgen verwickelt wurde (sog. ´Pagenverschwörung´). Die letzten Jahre hatten inzwischen nicht nur Alexanders Herrschaft über das Perserreich etabliert, sondern auch jegliche Opposition im Heer zum Schweigen gebracht. Als Nachfolger der persischen Großkönige hatte er mittlerweile auch eine große Anzahl von Orientalen, besonders Bewohner der östlichen Provinzen, in den nun ca. 120.000 Mann (hohe Zahl fraglich!) umfassenden Heerbann aufgenommen. So war mit einer loyalen Armee der Boden für die im Frühsommer beginnende Eroberung Indiens geebnet.
Vom paropamisischen Alexandreia zog er nach Nikia, überschritt den Fluß Kophen und sandte seine Feldherren Hephaistion und Perdikkas auf direktem Wege zum Indos voraus, um dort den Übergang vorzubereiten und die wichtige Straße über den Kheiberpaß zu sichern. Er selbst unterwarf unterdessen die etwas weiter nördlich ansässigen kriegerischen Stämme und eroberte einige angeblich sakrale Stätten - den Aornosfelsen, den Herakles vergeblich belagert haben sollte, und einen angeblich von Dionysos gegründeten Ort -, um seine Stellung bei den Makedoniern mit der Bestätigung über wunderbare Züge der altgriechischen Heroen weiter zu begünstigen.

326
Im Frühjahr 326 überschritt Alexander den Indos. Seine Lage war nun schwierig, da es für ihn von großer Wichtigkeit war, daß der König Taxiles, dessen Reich an den Indos grenzte, ihm freiwillig seine Unterwerfung anbot und einem Bündnis gegen den Poros, den mächtigen König der Paurava jenseits des Hydaspes, zustimmte. Alexander hatte Glück und fand ein bereitwilliges Entgegenkommen, während ihm Poros, wie erwartet, mit bedeutenden Rüstungen entgegentrat. Alexander schaffte es trotz der pauravanischen Gegenmaßnahmen, den Hydaspes zu überschreiten und Poros im Mai/Juni zur entscheidenden Schlacht zu stellen. Er vermochte an der Spitze seiner Reiterei, die indische Kavallerie zurückzuschlagen, den Sieg zu erringen und Poros in seine Gewalt zu bringen. Allerdings wurde der indische König nicht nur im Besitz seines Reiches gelassen, sondern er erhielt noch zusätzliche Gebiete hinzu. Zum Andenken an den Sieg gründete Alexander zwei Städte, Nikia und Bukephala, und zog zum Fluß Akesines. Das zwischen diesem und dem nächsten Fluß Hydraotes gelegene Reich des Phegeus eroberte er ebenfalls und sprach die Ländereien seinem Verbündeten Poros zu.
Nach Überschreiten des Hydraotes besiegte er die Kathaier, erstürmte deren Hauptstadt Sangala und gelangte an den Hyphasis. Das Heer war jedoch durch die schlimmen Strapazen und das Klima so stark strapaziert, daß es passiven Widerstand gegen weitere Eroberungen leistete und den brüskierten Alexander damit zum Umkehren zwang. Nachdem er 12 große Altäre am Fluß errichtet hatte, zog er zum Hydaspes zurück und fuhr diesen Fluß im Spätherbst herab. Die Fahrt unterbrach er durch Unternehmungen gegen die anwohnenden Völkerschaften, allen voran das Volk der Maller und die Oxydraker, die er nach einigen Kämpfen unterwerfen konnte.

325 - 323: Rückkehr in das zentrale Persien und nach Babylon
325
Obwohl Alexander aufgrund religiöser und politischer Differenzen große Schwierigkeiten hatte, seine Herrschaft in Indien und besonders im Reich des Musikanos zu festigen, sah er dennoch nicht davon ab und versuchte, sich durch Begünstigungen zuverlässige Vasallenreiche zu schaffen. An wichtigen Punkten legte er erneut feste Plätze an und übergab die indischen Grenzgebiete verdienten Makedonen als Satrapien - knapp 5000 Kilometer von der Heimat entfernt. Die Indosmündung ließ er an verschiedenen Stellen befestigen und schuf damit einen Mittelpunkt für das Handels- und Verkehrsgebiet in diesem Raum. Darüber hinaus gab er Nearchos den Auftrag, eine Entdeckungsfahrt auf dem Indischen Ozean zu machen und entlang der Küste eine Verbindung mit den Euphratländern herzustellen.
Gegen Ende des Sommers brach Alexander von der Indosmündung auf, nachdem er schon vorher dem Krateros in der Hauptstadt des Musikanos (Alor) den Befehl gegeben hatte, mit einem Teil seines Heeres weiter nördlich nach Karmanien zu ziehen. Er selbst zog mit seinem Heer unter unsäglichen Strapazen durch die gedrosische Wüste und verlor dabei die Hälfte seiner Truppen. Der Weg durch die Wüste war aber keinesfalls ein ungeplantes Unternehmen. Erkundungseifer, die Installation von Küstenbefestigung zur Sicherung eines Seeweges nach Indien und das Sammeln neuer geographischer Erkenntnisse waren ein wichtiger Bestandteil der Routenplanung. Wichtiger war für Alexander aber, daß er durch diese als unmöglich geltende Herausforderung den Nimbus seiner Eroberungszüge noch weiter steigern und das erreichen konnte, was angeblich vor ihm die großartigen Könige Kyros und Semiramis nicht geschafft hatten. Weiterhin ist durchaus möglich, daß er diese Gelegenheit nutzte, um sein Heer, welches ihm, den Eroberer Persiens, am Hyphasis den Gehorsam verweigert hatte, für diese Meuterei zu bestrafen.
Den Abfall der indischen Eroberungen kurz nach seinem Abmarsch konnte er jedoch nicht verhindern und ließ es geschehen. Nach sechzigtägigem Wüstenmarsch gelangte Alexander nach Pura. Von dort aus zog er weiter nach Karmanien, wo sich Krateros mit ihm wieder bei Alexandreia vereinigte, und erreichte schließlich im Winter 325/24 erneut die Persis und Persepolis.

324
Alexanders Anwesenheit im Mittelpunkt des Reiches erwies sich als dringend notwendig, denn es waren Mißstände aufgetreten, die umgehend beseitigt werden mußten. Die Organisation, die er seinem Reich gegeben hatte, erwies sich als nicht ausreichend, um den festen Bestand desselben zu sichern und die überall hervortretenden Sonderbestrebungen einzelner Personen und Stämme zu sichern. Das verbindende Element des Reiches war Alexander und nichts anderes. Diese Bindung schien sich jedoch nach dem relativ langen Indienaufenthalt gelockert zu haben, und es kam zu schlimmen Übergriffen der von Alexander eingesetzten Provinzfürsten. Weiterhin hatte es noch ein Meder gewagt, sich zum Großkönig auszurufen. Alexander mußte daher rücksichtslos durchgreifen, um wieder Ordnung zu schaffen. Er ersetzte mindestens ein Drittel seiner Satrapen und opferte vier hohe Offiziere, unter ihnen Kleandros, seinem Mißtrauen. Immer mehr zeigte sich inzwischen, daß die Makedonier nur noch als wesentlicher Kern des Heeres fungierten (10%) und das Hellenische nur noch als allgemeines Kulturelement Bedeutung hatte.
In Susa, wohin sich Alexander von Persis aus begab, heiratete er die Tochter des Dareios, Barsine, und zwangsvermählte eine größere Anzahl hervorragender Makedonier mit vornehmen Perserinnen. Auch im Heer kämpften mittlerweile griechisch ausgebildete Orientalen neben den Makedoniern und wurden teilweise mit diesen in eigenen Einheiten zusammengelegt. Alexander versuchte durch eine Heeresreform, eine engere Bindung der persischen und makedonischen Truppenteile zu erreichen. Die Makedonen sahen sich nun in der ungeliebten Situation, mit den Persern zusammen über dieses riesige Reich herrschen zu müssen. Die Mißstimmung der Makedonier über diese Entwicklung und Alexanders Gebaren als Großkönig führte schließlich im Sommer 324 in Opis am Tigris zur offenen Meuterei, als Alexander einen Teil seiner Veteranen in die Heimat entlassen wollte. Der Aufstand wurde beschwichtigt, nachdem Alexander die asiatischen Truppen an die Stelle des makedonischen Heeres zu setzen begann. Der König söhnte sich aber nach drei Tagen bei einem Festmahl mit seinem Heer aus, sandte ungef. 10.000 Veteranen unter Krateros nach Makedonien zurück und übertrug diesem die Verwaltung der heimatlichen Angelegenheiten. Dem Antipatros, den er inzwischen für zu mächtig hielt, schickte er den Auftrag, ihm persönlich neue Truppen zuzuführen.
Auch den Hellenen gegenüber zeigte sich jetzt immer deutlicher die völlige Veränderung in der Stellung Alexanders. Er verlangte von ihnen nach der Rückkehr aus Indien die Darbringung göttlicher Ehren und erhielt diese wohl auch von den meisten Staaten. Weiter gebot er die Zurückführung der teilweise in seinem Heer dienenden Verbannten in ihre Heimatstädte, was einen starken Eingriff in die Autonomie der griechischen Poleis darstellte, denn Alexander schaffte sich zwar Verbündete in jeder Stadt, provozierte aber zugleich folgenschwere innenpolitische Konflikte in den Gemeinwesen.
Von Opis aus begab sich Alexander im Herbst 324 zunächst nach Ekbatana und anschließend nach Babylon. Auf dem Weg dorthin unterwarf er das räuberische Bergvolk der Kossaier im Norden Susas und empfing zahlreiche Gesandtschaften fremder Völker, die dem Weltherrscher ihre Huldigung darbrachten.

323
In Babylon angekommen, richtete er eine glänzende Leichenfeier für seinen in Ekbatana verstorbenen Freund Hephaistion aus und befaßte sich mit Zukunftsplänen, als er an einem starken Fieber erkrankte, dem er nach zwei Wochen, am 10. Juni, im Alter von 32 Jahren und 11 Monaten erlag.

Alexander war mit seinen Getreuen mehr als 30.000 km (ca. 22.000 km Luftlinie) marschiert, um Reiche zu erobern und den Rand der Welt zu erblicken. Er hatte dabei einen überwiegend harten, erbarmungslosen Krieg geführt, indem er nicht selten bewußt auf Vernichtung und Unterdrückung setzte. Wenn wir spätere Geschichten - Alexanders angebliche und aus den Quellen nicht mit einiger Sicherheit herauslesbare Bemühungen, die Völker zusammenzubringen und zu kultivieren - beiseite lassen, bleibt als ein Ergebnis in seiner Beurteilung festzuhalten, daß seine wahre, herausragende Stellung als genialer Feldherr und Führer ein hochprofessionellen Armee eine rein militärische war, charakterisiert durch scharfsinnige Beurteilung des Leistungsvermögens seiner Truppen und die Kenntnis der politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Kunstgriffe, die benötigt wurden, um seine Macht ohne Zurückhaltung auszunutzen. Sein militärisches Können, sein Sinn für die kühle Logik der Machtpolitik, seine Kompromißlosigkeit, Flexibilität und nicht zuletzt seine loyalen makedonischen Truppen machten ihn zu einem der bemerkenswertesten Männer der Weltgeschichte.



2. das heer alexanders: taktische truppenkörper, ethnien, logistik

Die taktische und ethnische Zusammensetzung des Alexanderheeres
Beim Überschreiten des Hellespont umfaßte des Heer Alexanders und seines wichtigsten Kommandeurs Parmenion ca. 37.500 Mann: 32.000 Infanteristen und 5.500 Kavalleristen. Beim Fußvolk bildeten 12.000 Makedonier, unterteilt in 9.000 Pezhetairoi (6 Regimenter) und 3.000 Hypaspisten. Dazu kamen 7.000 Hopliten aus dem Aufgebot der griechischen Bundesgenossen sowie ebensoviele Söldner mit verschiedener Bewaffnung, z.B. kretische Bogenschützen. Die Balkanstämme - thrakische Odrysen und Triballer, Illyrer und Agrianen - waren mit insgesamt 6.000 Mann vertreten, die als Spezialeinheiten für den Fernkampf und leichtere Gefechte zur Verfügung standen (Speerkämpfer, Bogenschützen, Peltasten, d.h. sehr bewegliche Leichtbewaffnete).
Die Reiterei bestand aus 1.800 Makedoniern, davon 1.200 Hetairenreiter in 8 Schwadronen und 600 Fernaufklärer (Prodromoi) in 4 Schwadronen. Die Thessaler stellten 1.200 Reiter, die griechischen Alliierten im Rahmen des Korinthischen Bundes 1.000. Abgerundet wurde die Kavallerie durch 600 Söldner und 900 Thraker und Paionen, die auch als Aufklärer fungierten. Dazu kamen Spezialeinheiten für Pionierarbeiten und Belagerungstechnik, für Stabsaufgaben (z.B. Abfassung der offiziellen Feldzugstagebücher) und für geographische Vermessungen (die Bematisten) sowie ein entsprechender Troß. Weiterhin zogen, wie bei jeder Armee üblich, Priester, Seher, Künstler und Wissenschaftler mit, unter ihnen Kallisthenes, der Alexandervertraute und Verwandte des Aristoteles. Im Verlauf des Perserfeldzuges gliederte Alexander auch in immer stärkerem Maße einheimische Truppen jeder Waffengattung in sein Heer ein: Baktrier, Sogdianer, Skythen, Inder etc. Teilweise, besonders gegen Ende des Feldzuges, ließ er sogar persische Truppen zunehmend in der makedonischen Kampftechnik ausbilden.
Die führenden Offiziere bildeten nach Parmenion zugleich die engste Umgebung des Königs, einige von ihnen mit dem Ehrentitel Somatophylax (Leibwächter). Am bedeutendsten unter ihnen war Antigonos, ein älterer General, der die Bundesgenossen befehligte, Parmenions Sohn Philotas, der Kommandeur der Hetairenreiterei, und Kleitos, Chef der Königsschwadronen, der ranghöchsten Einheit dieser Truppe. Ebenso dienten enge Freunde Alexanders, Hephaistion, Ptolemaios, Krateros oder Harpalos, im Offizierskorps.
Das Heer war insgesamt für die zu bewältigende Aufgabe recht klein bemessen, aber als Truppe größtenteils kampferfahren und sehr schlagkräftig. Um eine Armee aus Kämpfern so vieler verschiedener Volksstämme effektiv zu führen, bedarf es eines hohen Maßes an Disziplin, Training, Führungskraft und Erfolg. Alexander verfügte über diese Autorität, den Erfolg und das Charisma.
Die Flotte hatte dagegen nur geringere Bedeutung und war die Achillesferse Alexanders. Da die Makedonen noch über keine Marine verfügten, bildeten die ca. 160 Trieren der griechischen Verbündeten, hauptsächlich von Athen gestellt, die Seestreitkraft de Makedonenkönigs. Das bedeutet angesichts der Unbeliebtheit der makedonischen Dominanz eine große Belastung: Die Perser hatten nicht geringe Chancen, in der Ägäis erfolgreich mit ihrer Marine zu operieren und den Krieg nach Griechenland hineinzutragen, was ihnen zunächst ja auch gelang.
In jedem Fall stellte die Versorgung eines derart großen Heeres (Zum Vergleich: Im europäischen Mittelalter galten Armeen von 10.000 Mann bereits als sehr groß.) die Führung vor enorme operative und logistische Probleme.

Logistik
Die Makedonier trugen, im Gegensatz zu früheren Griechen oder Persern der damaligen Zeit, gewöhnlich ihren eigenen Proviant und ihre Ausrüstung; Diener führten nur Grundnahrungsmittel und anderes Feldlagermaterial mit. Es fehlte daher der spätere lange Gepäcktroß aus Wagen, Frauen, Händlern und Nutztieren. Den Reitern wurde je ein Diener zugestanden, aber beim Fußvolk wurde nach ursprünglichen Weisungen Philipps nur ein Begleiter für zehn Männer zugelassen, der Gerätschaften und Seile etc. zu tragen hatte. Man kann allerdings annehmen, daß sich dieses Verhältnis im Laufe des erfolgreichen Eroberungszuges leicht änderte. Jeder Soldat hatte laut Überlieferung Proviant für dreißig Tage am Körper mitzuführen, allerdings erscheint das etwas übertrieben, wenn man das Gewicht der Waffen, Rüstungen usw. beachtet. Einheimische Beamte wurden gewöhnlich gezwungen, im voraus Lager mit Nahrungsmitteln bereitzustellen, was einem Landstrich durchschnittlich in einem Radius von 96 km die Nahrungsmittel entzog und Alexanders Armee ermöglichte, von einem Depot zum nächsten zu wechseln. Die Marschordnung wurde taktisch dem Gelände angepaßt und erreichte schnell, je nach Umfang der Truppen, eine Länge von 55 und mehr Kilometern.
Der ansonsten riesige Apparat reisender Märkte im Gefolge einer Armee hätte im Widerspruch zu den wichtigsten Grundsätzen der Makedonier gestanden, nämlich Geschwindigkeit, rasche Angriffe und entscheidende, schnelle Schläge. Die makedonische Armee bewegte sich auf dieselbe Weise fort, wie sie angriff, und daher waren Logistiker, Quartiermeister und Finanzplaner die unbekannten Genies, die den Erfolg des gesamten Unternehmens erst möglich machten. Keine Armee vorher oder in der darauffolgenden Zeit war so gut organisiert und so unabhängig von langen Versorgungstrossen und großem Lagergefolge. Jedoch wurden zur Versorgung von Alexanders Truppen - Infanterie, Kavallerie, Hilfstruppen, Tiere - an einem einzigen Tag mehr als 220 t allein an Getreide und Futter und mehr als 265.000 Liter Wasser benötigt. Und zumindest bei einigen Gelegenheiten, als es unmöglich war, sich aus dem Land zu ernähren oder gut zugängliches Wasser zu finden, wurden täglich 880 t an Vorräten mitgeführt und verbraucht. Allein bei Gaza benötigten Alexanders Truppen mit einer Stärke von ca. 42.000 Mann 22,7 Mio Liter Wasser zur Versorgung während der zweimonatigen Belagerung. Das meiste davon konnte aus lokalen Quellen nicht beschafft werden und wurde daher wahrscheinlich über große Entfernungen hinweg zu Lande oder zu Wasser eingeführt. Alexander mußte also neben einem effektiven Nachrichtensystem auch stets Informationen über Versorgungsoptionen und mögliche Depots auf seinem Zug zur Verfügung haben.



3. die entscheidungsschlacht bei gaugamela am 1. november 331

Alexander verließ Ägypten im Jahre 331 mit einem erprobten, ausgeruhten und verstärkten Heer, um Dareios entgegenzuziehen. Dieser hatte in den persischen Kernlanden und in den östlichen Satrapien eine neue Streitmacht aufgestellt und erwartete Alexander auf der für seine Hauptwaffen, die Streitwagen und die Kavallerie, sehr günstigen Ebene bei Gaugamela. (Aus diesem Grunde wurde Alexander auch nicht beim Überqueren des Euphrats und des Tigris von persischen Truppen behelligt.) Am 1. Oktober trafen die beiden großen Heere schließlich zur Entscheidungsschlacht aufeinander.

Die persischen Truppen
Das Heer des Dareios war aus vier Truppengattungen und zahlreichen Ethnien zusammengesetzt:
- Kavallerie: Armenier, Kappadokier, Parther, Meder, Inder, Karer, Baktrier, Perser
- Infanterie: Perser und Aufgebote aus zahlreichen Teilen des Reiches, griechische Söldnerhopliten
- Fernkämpfer: Persische Bogner
- Weitere Truppengattungen: Sichelstreitwagen, 15 Kriegselephanten
Der Perserkönig hatte seinen Kriegern nach Issos längere Spieße und Schwerter machen und eine andere Kampftechnik trainieren lassen, um dem Gegner unter Aufsicht griechischer Söldner ebenfalls eine Phalanx entgegenstellen zu können. Die Erfahrung bei Issos hatte gezeigt, wie mächtig eine solche Truppengattung sein konnte. Aber die komplizierte und viel Übung erfordernde Kriegskunst des Phalanxkampfes besteht nicht allein aus Waffen, so daß es nicht verwundert, wenn wir in der Schlacht von Gaugamela nichts von bedeutenden Taten einer persischen Phalanx erfahren. Die Waffen, auf die Dareios hauptsächlich setzte, waren seine zum Zerschlagen der gegnerischen Schlachtreihen gedachten Sichelwagen und Elephanten sowie seine starke Kavallerie. Im Vergleich mit den 7.000 Reitern Alexanders kann man für die persische Kavallerie eine Stärke von etwa 12.000 annehmen. Dabei ist zu beachten, daß eine solch ungeheure Masse an Berittenen nicht nur enorme logistische und organisatorische Probleme verursacht, sondern darüber hinaus auch schwer führbar ist. Nicht umsonst waren sogar die disziplinierten Kavalleriedivisionen des 19./20. Jh. maximal 3.600 Pferde stark. Das spricht zwar nicht, wie Delbrück mutmaßt, gegen mehr als 12.000 Reiter, ist aber stets bei der Bewertung von Logistik und Führungsproblematik im persischen Heerbann zu beachten.
Vom Fußvolk des Dareios kann man sich nur schwer eine Vorstellung machen. Bogner, die traditionelle Truppengattung bei den Persern, können immer nur wenige Glieder tief aufgestellt werden, um Wirkung zu zeigen. Lose Scharen Leichtbewaffneter gegen eine Hoplitenphalanx aufzustellen, war von vornherein nutzlos, und wenn Versuche zur Bildung einer persischen Phalanx erfolgt sind, so zeigt die Schlacht nichts von irgendeinem Erfolg. Daher liegt die Vermutung nahe, daß die Perser lieber ihre Kraft und Logistik auf die berittenen Truppen konzentrierten und nur eine dem Alexanderheer vergleichbare Zahl von Fußsoldaten einsetzten (ca. 35-40.000), wobei die griechischen Söldner so wenige waren, daß sie in der Schlacht selbst keine Rolle mehr spielten. Wenn wir in den Quellen auf die Zahl 250.000 bei der Mannstärke der Perser stoßen, sollte diese nicht sofort als unrealistisch verworfen werden, da wir, besonders bei Arrian, gewöhnlich recht zuverlässige Zahlenangaben finden. Vielmehr ist anzunehmen, daß die Perser, wie es ihrer Gewohnheit entsprach, auf sehr viel mehr Truppen Zugriff hatten, als sie letztlich auf das Schlachtfeld führten. Im persischen Heer waren also stets Kontingente aus allen Satrapien pflichtgemäß versammelt, die aber nicht unbedingt Verwendung in der Schlachtordnung finden mußten.

Das Heer Alexanders
Alexander führte ein Heer aus 47.000 Mann auf das Schlachtfeld, eine Masse, die, einmal aufmarschiert, nur schwer und langsam vorwärts zu bewegen ist, ohne in Unordnung zu geraten. Das Heer bestand, wie das persische auch, aus verschiedenen Ethnien und Truppenkörpern, von denen die schwerbewaffnete makedonische Infanterie und die Kavallerie die wichtigsten waren.
- Kavallerie: Makedonier, Thessaler
- Schwere Infanterie: Makedonier, Thraker, Hypaspisten, kretische Lanzenträger
- Leichte Infanterie: Agrianische Speerwerfer
- Fernkämpfer: Makedonische und kretische Bogenschützen

Schlachtordnung und Schlachtplan der Perser
Dareios zentrierte seine Fußtruppen zwischen den auf den Flügeln relativ gleichmäßig verteilten Kavalleriekontingenten. Vor die Hauptschlachtreihe postierte er auf den Zentrumsflügeln ebenfalls einige Kavallerieeinheiten und die Sichelwagen. Die Speerspitze bildeten, wie üblich, die Kriegselephanten im Zentrum. Der persische Schlachtplan sah vor, die makedonische Phalanx mit den Sichelwagen und Elephanten in Unordnung zu bringen und in ihrem Vorgehen aufzuhalten, während die überlegene persische Reiterei die makedonische umfassend angreifen und vertreiben sollte. Die makedonischen Phalangiten hätten sich danach gegen den gemeinsamen Angriff der persischen Bogner und Reiter nicht wehren können und so die Niederlage Alexanders besiegelt.

Schlachtordnung und Schlachtplan Alexanders
Alexander paßte das übliche Schema seiner Aufstellung wieder den Verhältnissen an. Die große Masse seiner Infanterie benutzte er nicht, um die Schlachtlinie zu verlängern und somit an die persischen Flügel anzuschließen, sondern zur Verdoppelung der Tiefe. Eine lange Schlachtreihe ist sehr viel schwieriger zu dirigieren, und so konnte er die hinteren Abteilungen für einen eventuellen Angriff im Rücken zur Verteidigung benutzen. Die kretischen Lanzenträger und Bogenschützen stellte er jeweils auf die Flügel vor die Hauptschlachtreihe, um die persischen Elephanten und Sichelwagen abzuwehren. Hauptsächlich aber schützte er sich gegen die sichtbar drohende Gefahr einer Umfassung seitens der überlegenen feindlichen Reiterei, indem er an beiden Flügeln Abteilungen von Reitern und Leichtbewaffneten im Haken ansetzte. Von dieser Position aus konnten sie sowohl anmarschieren, um die Schlachtreihe zu verlängern, als auch nach der Flanke einschwenken, um einen Angriff auf die Flanken zu begegnen. Darüber hinaus hatte Alexander mit diesen Einheiten auch die Möglichkeit, etwaige Lücken, die beim Vormarsch entstehen konnten, von hinten her zu schließen. Das war eine sehr geniale Aufstellung, denn Alexander erreichte durch die doppelte Tiefe eine sehr viel größere Stoßkraft seiner Phalanx in das Zentrum der persischen Schlachtreihe bei gleichzeitiger Option, einem gefährlichen Rückenangriff widerstehen zu können. Die hakenförmigen Flanken waren gegen eine Umfassung ebenso effektiv wie zur Frontverlängerung und zur Verstärkung.

Der Schlachtverlauf
Der persische Schlachtplan versagte bei den Sichelwagen, und von den Elephanten erfahren wir im Gefecht nichts. Die Lenker der Wagen wurden von den Bognern und Lanzenträgern Alexanders schon bei der Anfahrt heruntergeschossen oder -gestoßen. Die führerlosen Pferde ließen sich dann teilweise zurückscheuchen und bedrohten ziellos die Ordnung der eigenen Truppen. Das war ein viel erfahrenes und gefürchtetes Problem mit Tieren in der Schlacht, besonders beim Einsatz von Kriegselephanten. Jedenfalls wurden nur wenige Soldaten Alexanders von den Sicheln ergriffen und verletzt.
Die Reiterei beider Heere hatte sich mittlerweile, indem die Perser die Makedonier überflügelten und auf die Truppen aus den Haken trafen, gegenseitig die Flanke abzugewinnen versucht und war in ein hin- und herwogendes Gefecht geraten. Der Ausgang war noch zweifelhaft, als die makedonische Phalanx, nach Abschüttelung der Sichelwagen, den Vormarsch wieder aufnahm. Der recht Flügel riß sich vom linken los und marschierte voraus, sekundierte nun der Kavallerie und drang auf die Perser ein, die nicht standhielten und flohen. Vermutlich sind beim Zerreißen der Phalanx persische und indische Reiter in die Lücken gestürmt, aber anstatt innezuhalten und das makedonische Heer im Rücken zu greifen, ließen sich die disziplinlosen Scharen zu Scharmützeln und einem Angriff auf das makedonische Lager hinreißen. Somit hatte dieser Zwischenfall keinen Einfluß auf den Verlauf und das Ergebnis der Schlacht. In Bedrängnis dagegen geriet der von Parmenion geführte linke Flügel der Makedonier, der aber schließlich vom siegreichen rechten Flügel unterstützt wurde und ebenfalls die Oberhand gewann. Ganz wie die beiden vorhergehenden Schlachten beim Granikos und bei Issos verlief also auch Gaugamela als Flügelschlacht mit offensiv-siegreichem rechten Flügel. Warum allerdings gerade dieser Flügel bei Gaugamela siegte, ist aus der Überlieferung nicht ersichtlich, abgesehen davon, daß auf den rechten Flügeln traditionell die besten Truppen standen. Ausschlaggebend für die totale Niederlage war schließlich der Durchbruch Alexanders im linken Zentrum der Perser und die anschließende Flucht des Dareios, bevor seine Armee besiegt war. Ohne ihren Großkönig und Anführer gerieten die persischen Truppen in Unordnung und lösten sich in wilder Flucht auf, was ihnen zum Verhängnis wurde. Alexander ließ die Feinde wieder bis zur Erschöpfung verfolgen und töten. Am Ende des Tages hatten ungefähr 50.000 Perser und einige Tausend griechische Söldner den Tod gefunden, während Alexander nur etwa 500 Makedonier und eine unbekannte, aber vermutlich nicht sehr hohe Zahl anderer Soldaten verloren hatte.



Literatur

- Badian, Ernst, Alexandros der Große, in: DNP, 1996, 468-474.
- Callies, Horst, Das Zeitalter des Hellenismus. Die größere Welt des Altertums (Vorlesungsmanuskript), Hannover.
- Delbrück, Hans, Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte, Bd. 1: Das Altertum, Berlin (3)1920 (ND Berlin/New York 2000).
- Gehrke, Hans-Joachim, Alexander der Große, München 1996.
- Gehrke, Hans-Joachim, Weltreich im Staub - Gaugamela, 1. Oktober 331, in: Förster, Stig/Pöhlmann, Makrus u.a. (Hg.), Schlachten der Weltgeschichte. Von Salamis bis Sinai, München 2001.
- Hampl, Franz, Alexander der Große (Persönlichkeiten und Geschichte 9), Göttingen/Berlin/Frankfurt (2)1965.
- Hanson, Victor D., Die Kriege der griechischen Antike, übers. v. K. Braun, Berlin 2001.
- Kaerst, Julius, Alexandros, in: RE I 1, 1893 (ND 1958), 1412-1434.
- Keegan, John, Die Maske des Feldherren - Alexander der Große, Wellington, Grant, Hitler. Aus dem Engl. v. B. Rullkötter, Weinheim/Berlin 1997.
- Leisering, Walter, Putzger Historischer Weltatlas, Berlin (102)1993.
- Schachermeyer, Fritz, Alexander der Große - Ingenium und Macht, Graz/Salzburg/Wien 1949.
- Seibert, Jakob, Alexander der Große (EdF 10), Darmstadt 1972.
- Will, Wolfgang, Geschichte Makedoniens, Bd. 2: Alexander der Große, Stuttgart/Berlin/Köln/Mainz 1986.

(Winter 2002)

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