WebSite Jan Stetter: Kendo, Aikido, Geschichte, Rollenspiele (StarWars, Mutant Chronicles, Das Schwarze Auge, 7te See, Agone), Maeuse und Studium (Politik, Antike, Geschichte, Tutorium)
 
 
 
 
kendo

 
artikel (2000): kabale ohne liebe des DKenB

 

 

dan oder nicht dan, das ist hier die frage...

Unilet: O die Flöten! Laßt mich eine sehn. - Um Euch insbesondere zu sprechen: weswegen geht Ihr um mich herum, um meine Witterung zu bekommen, als wolltet Ihr mich in ein Netz treiben?
DKenBstern: O gnädiger Herr, wenn meine Ergebenheit allzu kühn ist, so ist meine Liebe ungesittet.
Unilet: Das versteh ich nicht recht. Wollt Ihr auf dieser Flöte spielen?
DKenBstern: Gnädiger Herr, ich kann nicht.
Unilet: Ich bitte Euch.
DKenBstern: Glaubt mir, ich kann nicht.
Unilet: Ich ersuche Euch darum.
DKenBstern: Ich weiß keinen einzigen Griff, gnädiger Herr.
Unilet: Es ist so leicht zu lügen. Regiert diese Windlöcher mit Euren Fingern und der Klappe, gebt der Flöte mit Eurem Munde Odem, und sie wird die beredteste Musik sprechen. Seht Ihr, dies sind die Griffe.
DKenBstern: Aber die habe ich eben nicht in meiner Gewalt, um irgendeine Harmonie hervorzubringen; ich besitze die Kunst nicht.
Unilet: Nun, seht Ihr, welche ein nichtswürdiges Ding Ihr aus mir macht? Ihr wollt auf mir spielen, Ihr wollt in das Herz meines Geheimnisses dringen, Ihr wollt mich von meiner tiefsten Note bis zum Gipfel meiner Stimme hinauf prüfen: und in dem kleinen Instrument hier ist viel Musik, eine vortreffliche Stimme, dennoch könnt Ihr es nicht zum Sprechen bringen. Wetter! denkt Ihr, daß ich leichter zu spielen bin als eine Flöte? Nennt mich, was für ein Instrument Ihr wollt, Ihr könnt mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen!
Gott grüß´ Euch, Herr.
(Frei nach Shakespeare)

Ja nun, da schau ich doch so mir nichts, dir nichts, auf den Seiten des DKenB vorbei und muß dort überrascht feststellen, daß ich den einen oder anderen mir gut bekannten Namen von angeblich inaktiven Danträgern finde, die genauso angeblich böses, weil viel, Geld kosten und deshalb jetzt keine Dane mehr in Deutschland sein dürfen. Dummerweise haben eben diese inaktiven Kendoleute anscheinend ihnen verblüffend ähnelnde Doppelgänger und Namensvettern, denn sonst kann ich mir beim besten Willen - und wie jeder weiß, macht Kendo ja einen ganz außergewöhnlichen "besten Willen" - nicht recht erklären, wer sonst eigentlich diese mich ständig verbessernden Individuen sind, die mich allerdings sehr aktiv trainieren. Und das seit mittlerweile 6 Jahren, kontinuierlich mindestens zweimal in der Woche. Hmm. Es werden doch wohl nicht etwa bambusschwingende Kendoscharlatane sein, die sich nur als Trainer des Gefühles der Macht wegen ausgeben?

Ach so, diese frechen Typen sind wirklich meine Trainer und bloß nicht mehr in einem Verein gemeldet, da sie an der Universität tätig sind und kein Interesse daran haben, grundlos in irgendeinen Club einzutreten, mit dem sie gar nichts verbindet - außer natürlich dem gemeinsamen Sportgerät. Na, dann. Ich wage gar nicht, die Frage in den Raum zu werfen, ob nicht, wenn es denn gar so schrecklich ist, die Jahresbeiträge für jene Kendodane einfach von selbigen wieder eingefordert werden könnten oder zumindest in gemeinsamer Absprache eine faire Lösung und Integration der Universitäten gefunden werden könnte, anstatt in Beamtenmanier rigoros den Rotstift auch bei Personen anzusetzen, die dem Hintergrund der Aktion so gar nicht genügen mögen. A propos verbandslos: Sind die Universitäten nicht, genau wie der DKenB, unter dem Dachverband des Deutschen Sportbundes traut vereint? Wie, gilt nicht? Warum denn nicht? Ach so, darum. Noch einmal hmm.

Also kann ich aus der Art und Weise des Vorgehens unseres ...ähh... Eures DKenB für jetzt nicht mehr ganz alle Deutschen nur schließen, daß, neben wohl auch berechtigt zu streichenden Danträgern, a) mißliebige Personen und b) mißliebige Nebenkendoschauplätze außerhalb des DKenB gleich mitbeseitigt werden sollen - was natürlich ganz undenkbar und von weit her geholt ist. Da beschleicht mich doch mal wieder das mürrische Gefühl, daß es das liebe Kendo mit seiner ihm immanenten (automatischen?) Größe und seiner stets unfaßbar edlen Charakterausbildung in Deutschland gerade bis zur gehobenen Vereinsmeierei geschafft hat, bevor es vor der deutschen Mentalität hoffnungslos kapitulieren mußte.

Was mich allerdings an dieser ganzen Sache doch etwas traurig stimmt, ist, daß diese unfaire, unsportliche und schon gar nicht Krieger-Samurai-Zen-edle Aktion meine Trainer tief verletzt hat. Daß meine Trainer, die mir von den ersten Schritten bis zum Tsuki so viel zeigten und beibrachten, jetzt, ihrer offiziellen Graduierung beraubt, ja nicht einmal mehr zum 6. Kyu prüfen dürfen. Daß meine Trainer, obwohl sie allein in meiner aktiven Zeit mehrere hundert Anfänger zum Kendo führten, sich mit ihnen abmühten und sich stets dem deprimierenden Gefühl widersetzen mußten, von der ganzen Mühe doch immer wieder nur einen kleinen, aber stetig wachsenden Teil übrigzubehalten - der dann, nach Abschluß des Studiums, meistens anderen Vereinen zugute kam -, jetzt diese schäbige Quittung erhalten. Schade, ich hätte ihnen diese Beleidigung seitens des DKenB gerne erspart.

Und mal ganz offen ...ähm... noch offener gesagt: Kendodegradierung, also ´Dannichtmehranerkennung´? Wo gibt es denn so etwas Albernes? Sollen meine Trainer jetzt in das Chefdojo, wo auch immer das inzwischen ist, fahren, wo ihnen, vor allen anderen und im Internet live übertragen, die Dan-Meldekarten durchgerissen und die Shinais auf dem Knie zerbrochen werden? Da wünscht man sich doch glatt einmal mehr, eines der vielbeschworenen Hühner zu sein, denn die haben ja bekanntlich allgemein - und hier im besonderen - allerhand zu lachen. Ich glaube jedenfalls nach so einigen Erlebnissen inzwischen, daß es gar keine so schlechte Wahl war, an der Uni zu beginnen.

Überhaupt... was mich betrifft, bin ich wegen des ganzen allerdings gar nicht so traurig, denn erstens muß ich mir jetzt keinen Streß mehr wegen der im Juli theoretisch anstehenden - jetzt aber ausfallenden - Danprüfung machen. Zweitens ist und war mir der DKenB mitsamt Vereinsgemeiere aus verschiedenen Gründen ohnehin schon immer herzlich egal, und drittens, was sich jetzt auch auf den Artikel von Chicken in der letzten Ausgabe bezieht, muß ich jetzt auch nicht mehr unbedingt zu irgendwelchen Turnieren fahren oder an einigen Lehrgängen teilnehmen, da mir das entweder verwehrt ist, wie beim Bundeskyuturnier, oder ich einfach keine Lust mehr habe, als Universitätskendoka schon aufgrund meiner Kendo-Herkunft milde belächelt zu werden. Obwohl... lustig wäre so ein Lehrgang nach den neuen Maximen des DKenB ja doch mal wieder, denn der Moment, in dem einer unserer hohen Danträger den 8.Dan von der Kyoto-Universität auf die Schülerseite schickt (ich erinnere: Unikendo wird in seinen Graduierungen in Deutschland nicht mehr geprüft oder anerkannt, auch wenn man anderswo anscheinend registriert ist), wird ein Moment für die Annalen der bundesdeutschen Kendogeschichte.

P.S.: Moment mal: Andere, z.B. japanische, Univerbände werden doch wohl mit Sicherheit anerkannt, oder? Interessant, denn mein Trainer ist doch auch Mitglied im Zen-Nippon-Kendo-Remmei... hat er denn jetzt seine Graduierung noch? Und wenn ja: Wie lange?
Wie gesagt: Gott grüß´ Euch, Herr DKenBstern.
Der Rest ist Schweigen.

(Jan Stetter, Sommer 2000)