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dan oder nicht dan, das ist hier die frage...
Unilet: O die Flöten! Laßt mich
eine sehn. - Um Euch insbesondere zu sprechen: weswegen geht Ihr um
mich herum, um meine Witterung zu bekommen, als wolltet Ihr mich in
ein Netz treiben?
DKenBstern: O gnädiger Herr, wenn meine Ergebenheit
allzu kühn ist, so ist meine Liebe ungesittet.
Unilet: Das versteh ich nicht recht. Wollt
Ihr auf dieser Flöte spielen?
DKenBstern: Gnädiger Herr, ich kann nicht.
Unilet: Ich bitte Euch.
DKenBstern: Glaubt mir, ich kann nicht.
Unilet: Ich ersuche Euch darum.
DKenBstern: Ich weiß keinen einzigen Griff,
gnädiger Herr.
Unilet: Es ist so leicht zu lügen. Regiert
diese Windlöcher mit Euren Fingern und der Klappe, gebt der Flöte mit
Eurem Munde Odem, und sie wird die beredteste Musik sprechen. Seht Ihr,
dies sind die Griffe.
DKenBstern: Aber die habe ich eben nicht
in meiner Gewalt, um irgendeine Harmonie hervorzubringen; ich besitze
die Kunst nicht.
Unilet: Nun, seht Ihr, welche ein nichtswürdiges
Ding Ihr aus mir macht? Ihr wollt auf mir spielen, Ihr wollt in das Herz
meines Geheimnisses dringen, Ihr wollt mich von meiner tiefsten Note bis
zum Gipfel meiner Stimme hinauf prüfen: und in dem kleinen Instrument
hier ist viel Musik, eine vortreffliche Stimme, dennoch könnt Ihr es nicht
zum Sprechen bringen. Wetter! denkt Ihr, daß ich leichter zu spielen bin
als eine Flöte? Nennt mich, was für ein Instrument Ihr wollt, Ihr könnt
mich zwar verstimmen, aber nicht auf mir spielen!
Gott grüß´ Euch, Herr.
(Frei nach Shakespeare)
Ja nun, da schau ich doch so mir nichts, dir nichts, auf den Seiten des
DKenB vorbei und muß dort überrascht feststellen, daß ich den einen oder
anderen mir gut bekannten Namen von angeblich inaktiven Danträgern finde,
die genauso angeblich böses, weil viel, Geld kosten und deshalb jetzt
keine Dane mehr in Deutschland sein dürfen. Dummerweise haben eben diese
inaktiven Kendoleute anscheinend ihnen verblüffend ähnelnde Doppelgänger
und Namensvettern, denn sonst kann ich mir beim besten Willen - und wie
jeder weiß, macht Kendo ja einen ganz außergewöhnlichen "besten Willen"
- nicht recht erklären, wer sonst eigentlich diese mich ständig verbessernden
Individuen sind, die mich allerdings sehr aktiv trainieren. Und das seit
mittlerweile 6 Jahren, kontinuierlich mindestens zweimal in der Woche.
Hmm. Es werden doch wohl nicht etwa bambusschwingende Kendoscharlatane
sein, die sich nur als Trainer des Gefühles der Macht wegen ausgeben?
Ach so, diese frechen Typen sind wirklich meine Trainer und bloß
nicht mehr in einem Verein gemeldet, da sie an der Universität tätig
sind und kein Interesse daran haben, grundlos in irgendeinen Club einzutreten,
mit dem sie gar nichts verbindet - außer natürlich dem gemeinsamen
Sportgerät. Na, dann. Ich wage gar nicht, die Frage in den Raum zu
werfen, ob nicht, wenn es denn gar so schrecklich ist, die Jahresbeiträge
für jene Kendodane einfach von selbigen wieder eingefordert werden
könnten oder zumindest in gemeinsamer Absprache eine faire Lösung
und Integration der Universitäten gefunden werden könnte, anstatt
in Beamtenmanier rigoros den Rotstift auch bei Personen anzusetzen, die
dem Hintergrund der Aktion so gar nicht genügen mögen. A propos
verbandslos: Sind die Universitäten nicht, genau wie der DKenB, unter
dem Dachverband des Deutschen Sportbundes traut vereint? Wie, gilt nicht?
Warum denn nicht? Ach so, darum. Noch einmal hmm.
Also kann ich aus der Art und Weise des Vorgehens unseres ...ähh... Eures
DKenB für jetzt nicht mehr ganz alle Deutschen nur schließen, daß, neben
wohl auch berechtigt zu streichenden Danträgern, a) mißliebige Personen
und b) mißliebige Nebenkendoschauplätze außerhalb des DKenB gleich mitbeseitigt
werden sollen - was natürlich ganz undenkbar und von weit her geholt ist.
Da beschleicht mich doch mal wieder das mürrische Gefühl, daß es das liebe
Kendo mit seiner ihm immanenten (automatischen?) Größe und seiner stets
unfaßbar edlen Charakterausbildung in Deutschland gerade bis zur gehobenen
Vereinsmeierei geschafft hat, bevor es vor der deutschen Mentalität hoffnungslos
kapitulieren mußte.
Was mich allerdings an dieser ganzen Sache doch etwas traurig stimmt,
ist, daß diese unfaire, unsportliche und schon gar nicht Krieger-Samurai-Zen-edle
Aktion meine Trainer tief verletzt hat. Daß meine Trainer, die mir
von den ersten Schritten bis zum Tsuki so viel zeigten und beibrachten,
jetzt, ihrer offiziellen Graduierung beraubt, ja nicht einmal mehr zum
6. Kyu prüfen dürfen. Daß meine Trainer, obwohl sie allein
in meiner aktiven Zeit mehrere hundert Anfänger zum Kendo führten,
sich mit ihnen abmühten und sich stets dem deprimierenden Gefühl
widersetzen mußten, von der ganzen Mühe doch immer wieder nur
einen kleinen, aber stetig wachsenden Teil übrigzubehalten - der
dann, nach Abschluß des Studiums, meistens anderen Vereinen zugute
kam -, jetzt diese schäbige Quittung erhalten. Schade, ich hätte
ihnen diese Beleidigung seitens des DKenB gerne erspart.
Und mal ganz offen ...ähm... noch offener gesagt: Kendodegradierung,
also ´Dannichtmehranerkennung´? Wo gibt es denn so etwas Albernes? Sollen
meine Trainer jetzt in das Chefdojo, wo auch immer das inzwischen ist,
fahren, wo ihnen, vor allen anderen und im Internet live übertragen,
die Dan-Meldekarten durchgerissen und die Shinais auf dem Knie zerbrochen
werden? Da wünscht man sich doch glatt einmal mehr, eines der vielbeschworenen
Hühner zu sein, denn die haben ja bekanntlich allgemein - und hier
im besonderen - allerhand zu lachen. Ich glaube jedenfalls nach so einigen
Erlebnissen inzwischen, daß es gar keine so schlechte Wahl war,
an der Uni zu beginnen.
Überhaupt... was mich betrifft, bin ich wegen des ganzen allerdings gar nicht so traurig, denn erstens muß ich mir jetzt keinen Streß
mehr wegen der im Juli theoretisch anstehenden - jetzt aber ausfallenden - Danprüfung machen. Zweitens ist und war mir der DKenB mitsamt
Vereinsgemeiere aus verschiedenen Gründen ohnehin schon immer herzlich egal, und drittens, was sich jetzt auch auf den Artikel von Chicken
in der letzten Ausgabe bezieht, muß ich jetzt auch nicht mehr unbedingt zu irgendwelchen Turnieren fahren oder an einigen Lehrgängen
teilnehmen, da mir das entweder verwehrt ist, wie beim Bundeskyuturnier, oder ich einfach keine Lust mehr habe, als Universitätskendoka schon
aufgrund meiner Kendo-Herkunft milde belächelt zu werden. Obwohl... lustig wäre so ein Lehrgang nach den neuen Maximen des DKenB ja
doch mal wieder, denn der Moment, in dem einer unserer hohen Danträger den 8.Dan von der Kyoto-Universität auf die Schülerseite
schickt (ich erinnere: Unikendo wird in seinen Graduierungen in Deutschland nicht mehr geprüft oder anerkannt, auch wenn man anderswo anscheinend
registriert ist), wird ein Moment für die Annalen der bundesdeutschen Kendogeschichte.
P.S.: Moment mal: Andere, z.B. japanische, Univerbände werden doch wohl
mit Sicherheit anerkannt, oder? Interessant, denn mein Trainer ist doch
auch Mitglied im Zen-Nippon-Kendo-Remmei... hat er denn jetzt seine Graduierung
noch? Und wenn ja: Wie lange?
Wie gesagt: Gott grüß´ Euch, Herr DKenBstern.
Der Rest ist Schweigen.
(Jan Stetter, Sommer 2000)
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