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aikido

 
eine einführung in wesen und geschichte

 

 

das wesen des aikido

"Aikido lernt man nur durch Üben.", so beginnt Meister Nobuyoshi treffend sein Buch über Aikido. Aikido ist eine japanische Kampfkunst, deren Ursprünge man bis zu den Bewegungs- und Atemübungen buddhistischer Mönche im alten China zurückverfolgen kann.

Ein auffallendes äußeres Merkmal des Aikido ist die Leichtigkeit, mit der ein Angreifer kontrolliert und mittels Hebel- oder Zentrifugalkräften zu Fall gebracht werden kann. Scheinbar mühelos wird der Angreifer in jede Richtung geführt, seine eben noch vorhandene Angriffsenergie hat sich in Nichts aufgelöst. Ermöglicht wird dies durch die Kontrolle des gegnerischen Angriffs von Beginn an. Der Verteidiger lenkt den Angriff in eine von ihm gewünschte Richtung und erreicht damit, daß die körperliche Kraft des Angreifers, so groß sie auch sein mag, weitergeleitet wird und letzten Endes gegen ihn selbst wirkt. Richtung und Kraft des gegnerischen Angriffs müssen bereits im Anfangsstadium erkannt werden, um ihm entsprechend begegnen zu können. Dafür ist ein hohes Maß an Sensibilität erforderlich, welches nur durch langes Üben zu erreichen ist.

Aikido-Bewegungen sind meist kreis- oder spiralförmig. Diese beiden Bewegungsformen sind am besten geeignet, die Kraft eines Angreifers mit der des Verteidigers zu vereinen. Das harmonische Zusammenwirken der anfangs entgegengesetzten Kräfte und die vollständige Kontrolle des Angreifers in diesen Bewegungen geben dem Aikido die ihm eigene Dynamik und anmutige Ästhetik. Wirken beide Kräfte in die gleiche Richtung, ist die Trennung zwischen Angreifer und Verteidiger aufgehoben. Die Aikido-Technik ist dann das Werk beider Kräfte. Zur Kontrolle eines Angreifers werden meist, wie schon gesagt, verschiedene Hebal- und Gelenkgriffe sowie diverse Würfe verwendet.

Die japanischen Schriftzeichen des Wortes Aikido bedeuten im einzelnen: Harmonie (Ai), geistige Kraft (Ki) und Weg (Do). Aikido ist also vor allem ein Weg zur Entwicklung und Entfaltung der im Unbewußten ruhenden geistigen Kräfte, der Körpergeschmeidigkeit und des Körperbewußtseins. Der Übende entdeckt und entwickelt also seine körperlichen und geistigen Fähigkeiten, nicht ohne dabei aber auch die Grenzen zu erkennen, die beidem im einzelnen gesetzt sind. Aus dieser Einsicht heraus lernt er, daß nur ein harmonisches Zusammenwirken von Körper und Geist zu wahrer Stärke führt. Mit fortschreitender Praxis wird es dem Aikido-Trainierenden immer besser gelingen, seine geistige Kraft, sein Ki, zu aktivieren und sie in Harmonie mit den körperlichen Fähigkeiten zu bringen. Diese unbewußten Kräfte sind keine künstlich antrainierten Fähigkeiten, sondern stehen in enger Beziehung zum menschlichen Wesen und zur Natur. Die Natürlichkeit der Bewegung ist im Aikido eine wesentliche Voraussetzung auf dem Weg, die Harmonie zwischen Körper und Geist zu suchen und zu finden.

Aikido versteht sich als eine klassische Kampfkunst, als ein Weg geistiger und körperlicher Schulung. Es ist kein Wettkampfsport, Turniere existieren nicht. Im Aikido gibt es keinen Gedanken an Sieg oder Niederlage. Das Ziel ist nicht die Bezwingung des Gegners, sondern die Entwicklung einer Geisteshaltung, die frei ist von Aggression und Angst. Aber trotzdem muß man sich immer wieder die Tatsache vergegenwärtigen, daß Aikido eine aus den Kriegskünsten entstandene Kampfsportart ist und nicht nur eine gymnastische Bewegungsform.

(Aus: H. Patt, AIKIDO. Dynamik und Harmonie, München 1987.)
 
 
die geschichte des aikido

Der Begünder des uns heute bekannten Aikido ist der Japaner Morihei Uyeshiba. Er wurde am 14. Dezember 1883 in Tanabe bei Osaka geboren. In seiner Jugend beschäftigte er sich als ein Sproß eine traditionsbewußten Samuraifamilie mit allen Kriegskünsten und wurde zu einem Experten in verschiedenen Formen des Schwertkampfes sowie in Judo und Ju-Jitsu. Entscheidend auf seinem Lebensweg waren für ihn zwei Begegnungen: Zum einen lernte er im Jahre 1910 die Verteidigungskunst des Daitoryu-Aiki-ju-jutsu kennen. Diese damals der Öffentlichkeit noch nicht zugängliche Verteidigungskunst, die über Jahrhunderte hinweg nur innerhalb eines ausgewählten Personenkreises von Generation zu Generation weitervererbt worden war, erlernte der beeindruckte Uyeshiba bis 1916 in der Abgeschiedenheit des ländlichen Dojos von Meister Sokaku Takeda auf Hokkaido. Aus den Elementen des Daitoryu-Aiki-ju-jutsu, des Schwertkampfes und des Judo formte und vollendete Morihei Uyeshiba dann mit der Zeit das Aikido.

Die andere beeindruckende Begegnung widerfuhr ihm im Jahre 1918, als er den Begründer der neuen Omotokyo-Religion, Reverend Wanisaburo Deguchi, kennenlernte. Dessen Botschaft - nur Liebe, Toleranz und Güte könnten Frieden und Harmonie zwischen den Menschen schaffen - faszinierte den bis dahin rein den Kriegskünsten zugewandten und ständig nach neuen Erkenntnissen suchenden Uyeshiba derart, daß er sich der Sekte anschloß und fortan neben seinem harten körperlichen auch ein strenges meditatives Training absolvierte. Seine dadurch gewonnenen Erfahrungen und Lehren flossen, wie auch seine Meisterschaft in den Kampftechniken, nachhaltig in das Aikido hinein.

Morihei Uyeshiba verstarb am 26. April 1969 im Alter von 86 Jahren. Bis kurz vor seinem Tod hatte er noch Aikido praktiziert und unterrichtet und dabei viele große Meister geschult, von denen hier beispielsweise Tada-Sensei, Tohei-Sensei, Asai-Sensei und natürlich sein Sohn Kisshomaru Uyeshiba-Sensei genannt sein sollen. Seine Arbeit wird derzeit von seinem Sohn weitergeführt, der gegenwärtig das Hombu-Dojo, die Zentrale des Aikido-Weltbundes Aikikai in Tokyo, leitet. Viele der damaligen Schüler von Meister Uyeshiba unterrichten heute in allen Teilen der Welt, entwickelten ihre eigenen Aikido-Formen und sind das lebende Vermächtnis des Aikido-Begründers.

Aikido ist außerhalb Japans erst nach dem Zweiten Weltkrieg bekannt geworden. Da das Aikido darauf verzichtet hat, den Weg des Wettkampfsportes zu gehen wie andere Budo-Sportarten, hat es sich den Charakter und das Wesen einer anspruchsvollen Kampfkunst weitgehend erhalten können. Dies steht zwar einer weiten Verbreitung entgegen, spricht aber Menschen an, die mehr suchen als nur eine effektive Form der Selbstverteidigung.

(Aus: H. Patt, AIKIDO. Dynamik und Harmonie, München 1987.)